Wie auch den andern allen,
Die vor ihnen gekommen waren
Und das Leben verloren hatten. 4090
Da sie die Not nicht meiden wollten,
Würden sie gerne den Tod
Um seine Huld erleiden,
Und würden die grosse Not
Als Sündenbusse betrachten. 4095
Der Herzog und seine Männer
Hatten Trost beim Kinde der Maid.
Nun schwebte das Gesinde
So lange Zeit auf dem Meer,
Dass früher oder später im Leben 4100
Sie nie solches Weh ertrugen,
Da es ihnen an Speise gebrach
Und an der guten Nahrung,
Die sie mitgebracht hatten
Von dem Lande Grippia, 4105
Woselbst die Weigande
Dieselbe tapfer erworben.
Am Hunger starben sie,
Die auf dem Schiffe waren,
So dass keiner am Leben blieb 4110
Von der ganzen Mannschaft
Ausser dem Herzog allein
Und sieben Mann mit ihm.
Die andern trug ein Greif fort,
Wie sie nacheinander starben. 4115
Die Lebenden handelten so:
Wen jeweilig der Tod nahm,
Den trugen die Helden lobesam
Bald aus dem Schiffsraume;
Ihn legten die zieren Degen 4120
Oben aufs Verdeck.
Das habt ihr nun öfters
Als Wahrheit sagen hören:
Die Greife kamen geflogen
Und trugen sie ins Nest. 4125
Auf diese Weise ward zuletzt
Dem Herzog und seinen Männern
Von den Greifen geholfen;
Also retteten sie sich.
Die andern wurden zu Aase 4130
Den Greifen und ihren Jungen.
Diesen war es schon gelungen,
Menschen in grosser Anzahl
Von dannen in ihre Neste
Nach Gewohnheit zu tragen; 4135
Davon die mutigen Helden,
Der Herzog und seine Mannen,
Wieder ans Land kamen.
Der Fürst litt Ungemach,
Als er seine Gefährten sah 4140
Vor Hunger verbleichen
Und so jämmerlich sterben,
Und er ihnen nicht helfen konnte.
Darum musst’ er manche Stunde
Erleiden Jammersnot, 4145
Indem sie der Tod
Vor seinen Augen hinwegnahm,
Bis der Recke lobesam
Nur sieben Mann übrig hatte.
Auch diese behielten das Leben 4150
Kaum vor Hungersnot:
Sie hatten nur ein halbes Brot,
Das teilten die Helden unter sich.
Es war jämmerlich genug,
Da sie nichts mehr hatten. 4155
Da ergaben sie sich dem Herrn,
Mit Leib und Seele Gottes Händen;
Dann fielen die tapfern Helden
Zum Gebet nieder und baten
Vor allem inniglich den Herrn, 4160
Dass er ihnen gnädig sei
Und helfe aus der grossen Not;
Sie fürchteten sehr den Tod.
Als diese Unglücklichen
Ihr Gebet verrichtet hatten, 4165
Was später ihnen zu statten kam,
Sprach der Graf Wetzel also:
“Ich habe in diesen Stunden
Uns eine List erfunden,
Wie sie nicht besser sein könnte. 4170
Sollen wir je gerettet werden,
Muss es gewiss davon kommen,
Dass wir suchen und spähen
Und gar nicht aufhören.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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