Nun hört, ich wil euch singen,
In brůder Veiten ton,[1]
Von ungehörten Dingen,
Die laider iez[2] fürgon[3]:
Wie dass mit falschen listen 5
Die christenhait zergat;
Wan das die fürsten wisten,
Sie täten zů der tat.[4]
Der hirt, der ist geschlagen,
Die schäflin sein[5] zerstreut, 10
Der bapst, der ist verjagen,[6]
Kein kron er me[7] aufdrait,[8]
Und ist mit kainen worten
Von Christo ie erstift[9];
An hundert tausent orten 15
Ist gossen auss das gift.
Der kaiser ist kain advocat,
Gar hin ist sein gewalt,
Den er ja zu der kirchen hat,
Der schirm zu boden falt; 20
Sein gebot sein ganz verachtet,
We armer christenhait,
Wa undertäni[10] brachtet,[11]
Und herschaft niderleit!
Die patriarchen alle 25
Und cardinäl gemain,[12]
Die bischof sein im falle,
Der pfarrer bleibt allain;
Ja den die gmain[13] erwelet
Nach irem unverstand 30
Und für ain hirten zelet;
Ach, we der grossen schand!
Die minsten sein iez all gelert,
Der[14] vor nie beten kunt,
Kain ler auf erden ie gehört, 35
Dorft nie aufton sein mund:
Die widerfechten alle
Die zierd[15] der christenhait,
Gent steur[16] zů niderfalle
Ir lob und herlichait. 40
Die mess, die sol nim[17] gelten
Im leben noch im dot,
Die sacrament sie schelten,
Die seien uns nit not;
Fünf[18] hon sie gar vernichtet, 45
Die andern[19] lon sie ston
Der massen zů gerichtet,
Dass sie auch bald zergon.
Wir sein all pfaffen worden,
Baid, weiber und die man, 50
Wie wol wir hant kain orden,
Kain weihe gnomen an.
Die stiel ston auf den benken,
Der wagen vor dem ross,
Der glaub wil gar versenken, 55
Der grund ist bodenlos.
Die pfaffen sein zerschlagen,
Die münch sein auch zertrent,
Mit luter stimmen klagen,
Man hab sie lang geschent:[20] 60
Uns alles für erlogen,[21]
Was sie hont ie gesait,
Auss ihren fingern gsogen,
Verfiert die christenhait.
Wer iez zů mal kan liegen, 65
Veracht all oberkait,
Das evangeli biegen[22]
Auf mort und herzenlaid:
Dem lauft man zů mit schalle,
Hanthabt[23] in mit gewalt, 70
Biss unser glaub verfalle
Und gar in eschen falt.
Der apfel ist geworfen
Der zwitracht, das ist war,
In steten und in dorfen; 75
Und geben nit ain har,
Ja nit ain meit[24] auf erden
Umb alle oberkait;
Mit listen und gefärden
Erdenkt man herzenlaid. 80
Das evangeli frone,[25]
Das was ein frölich mär,
Von got eroffnet schone
Zů frid von himel her:
Das hont sie iez vergiftet 85
In mort und bitterkait;
Es was zů freud erstiftet,
Iez bringt es herzenlaid.
Ich kan michs nit beklagen
Ja über gotes wort, 90
Allain dass sies vertragen
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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