Du must ein seltzamer Vogl sein,
Ich schick dich nach Papir,
So bringstu mir zu trincken rein.
Geh nein! heiss geben dir 180
Ein Papir, drauff zu schreiben
Vnd thu der Sachen recht!
Sonst kanst nicht bey mir bleiben,
Du Eilenspigelsknecht!
[Notes:
1: _Lecker_, ‘scamp’, ‘rascal’.
2: _Leyrt_, ‘loafs around.’
3: _Feurent_ = _feiernd_, ‘doing no work.’
4: _Dir ... reiben_, ‘tan your jacket.’
5: _Schellig_, ‘crazy’, ‘savage.’
6: _Zerlampet_, probably a mistake for _zerlumpet_.
7: _Wend_ = _wenn du_.
8: _Vor_ = _erst_.
9: _Lassen zwingen_, ‘accept the conditions.’
10: _Finden ... stat_, ‘find our account,’ ‘get along.’
11: _Dilldap_, ‘simpleton.’]
+XLIX. GEORG RODOLF WECKHERLIN+
A Swabian precursor (1584-1653) of the Opitzian era. In the service of
the Duke of Würtemberg he lived some years in France and England, where
he became familiar with the literary forms and fashions of the
Renascence. These he imitated in German, writing odes, songs (for the
reader), anacreontics, sonnets, epigrams, elegies in alexandrine verse,
and occasional poems of elaborate metrical structure. For the most part
his substance is very thin, consisting in extravagant and affected
praise, with much infusion of Roman mythology, of the high-born
personages by whose favor he prospered or hoped to prosper. The text of
the selections follows Goedeke’s edition in _Deutsche Dichter des 17.
Jahrhunderts_.
+1+
+Amor betrogen.+
Cupido einmal sehr verdrossen,
Dass er hat so vil pfeil umsunst
Auf meine Myrta los geschossen,
Die niemals achtet seiner kunst,
Erwählet, ihre zarte Schoss 5
Zu wunden, zornig ein geschoss.
Also flog er bald in den garten,
Da er dieselb zu sein gedacht,
Und nehmend war[1] von fern der zarten,
Die ihn in diese Welt gebracht, 10
“Wolan, sprach er, nu soll dein blut
Recht büssen, Myrta, deinen mut.”
Er spannet, unweis, seinen bogen
Und, zilend auf das herz ohn gnad,
Schoss er ihn plötzlich los, betrogen, 15
In seiner mutter brust gerad,
Darauf dan ein elender schmerz
Vergiftet bald der göttin herz.
“Ach weh! was magst du wol gedenken,”
Sprach sie, “undankbar böser knab? 20
Wie kanst so tödlich du bekränken
Die, welche dir das leben gab?
Und sparest gleich wol deine macht
Noch wider die, die dich verlacht.”
Die red so sehr das kind erschrecket, 25
Dass es bald seine wängelein
Mit heissen zähern überdecket
Und schrie: “Ach, liebes mütterlein,
Verzeihet mir, dan ich nam euch
Für Myrta, deren ihr gar gleich.” 30
[Notes:
1: _Nehmend war_ = _wahrnehmend_.]
+2+
+Anakreontisch: Frölich zu leben.+
Wan ich mit guter geselschaft
Frisch zechend an dem tisch gesessen,
Macht mich der süsse rebensaft
Des leids und unmuts bald vergessen!
Ich will stets springen an den danz, 5
Gekrönet mit dem ebheukranz.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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