Des Wirtes Freunde gingen, dahin wo man ihn fand;
Sie sprachen zu dem Recken aus dem Niederland: 50
“Der König will erlauben, Ihr sollt zu Hofe gehn.
Seine Schwester soll Euch grüssen; die Ehre soll Euch geschehn.”
Der Rede ward der Degen in seinem Mut erfreut;
Er trug in seinem Herzen Freude sonder Leid,
Dass er der schönen Ute Tochter sollte sehn. 55
In minniglichen Züchten empfing sie Siegfrieden schön.
Als sie den Hochgemuten vor sich stehen sah,
Ihre Farbe ward entzündet. Die Schöne sagte da:
“Willkommen, Herr Siegfried, ein edler Ritter gut.”
Da ward ihm von dem Grusse gar wohl erhoben der Mut. 60
Er neigte sich ihr minniglich, als er den Dank ihr bot;
Da zwang sie zu einander sehnender Minne Not.
Mit liebem Blick der Augen sahn einander an
Der Held und auch das Mägdlein; das ward verstohlen getan.
Ward da mit sanftem Drucke geliebkost weisse Hand 65
In herzlicher Minne, das ist mir unbekannt.
Doch kann ich auch nicht glauben, sie hätten’s nicht getan.
Liebebedürft’ge Herzen täten Unrecht daran.
[Notes:
4: M.H.G. _wætlîch_, ‘beautiful.’
5: ‘Better.’]
_From Adventure 7: The strenuous games at Isenstein[6]; Brunhild is
fraudulently vanquished for Gunter by the invisible Siegfried._
Brunhildens Stärke zeigte sich nicht klein,
Man trug ihr zu dem Kreise einen schweren Stein,
Gross und ungefüge, rund dabei und breit;
Ihn trugen kaum zwölfe dieser Degen kühn im Streit.
Den warf sie allerwegen, wie sie den Speer verschoss; 5
Darüber war die Sorge der Burgunden gross.
“Wen will der König werben?” sprach da Hagen laut;
“Wär’ sie in der Hölle doch des übeln Teufels Braut!”
An ihre weissen Arme sie die Ärmel wand,
Sie schickte sich und fasste den Schild an die Hand; 10
Sie schwang den Spiess zur Höhe: das war des Kampfs Beginn.
Gunter und Siegfried bangten vor Brunhildens grimmem Sinn.
Und wär’ ihm da Siegfried zu Hilfe nicht gekommen,
So hätte sie dem König das Leben wohl benommen.
Er trat hinzu verstohlen[7] und rührte seine Hand; 15
Gunter seine Künste mit grossen Sorgen befand.
“Wer war’s, der mich berührte?” dachte der kühne Mann,
Und wie er um sich blickte, da traf er niemand an.
Er sprach: “Ich bin es, Siegfried, der Geselle dein;
Du sollst gar ohne Sorge vor der Königin sein.” 20
Er sprach: “Gib aus den Händen den Schild, lass mich ihn tragen
Und behalt’ im Sinne, was du mich hörest sagen:
Du habe die Gebärde, ich will das Werk begehn.”
Als er ihn erkannte, da war ihm Liebes geschehn.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
Reviews
Reviews
No reviews yet
Be the first to share your thoughts on this work.
Join the Discussion
Join the discussion
Sign in to leave a comment or review.
Sign InorCreate an account