Demuthsvoll ist ihre Haltung,
Und mit flehentlichen Mienen
Suchen sie wohl noch Erbarmen,
Ob sich nicht noch Mitleid finde?
Nur Antonio schreitet sicher
Und gefasst zur Richtestaette,
Ob er auch im Buesserkleide
Und sein Antlitz abgehaermet.
Nochmals wiederholt der Koenig
Zarte Worte an den Dichter,
Dass er noch in letzter Stunde
Seiner Seele Heil gewinne.
"Loes dich los von jenen Schaaren,
Die gekreuzigt den Erloeser,
Loes dich los von den Verstockten,
Deren Weg nur fuehrt zur Hoelle!"
"Wenn" entgegnet sanft Antonio,
"Wenn in Gottes Plan gelegen
Seines Sohnes Kreuzesleiden,
Um die Menschen zu erloesen.
Warum hasset ihr dann Jene,
Die den Gottesplan vollzogen?
Warum hasset ihr dann Jene,
Die gethan was Gott gewollet?"
Wohlgeneigt vernimmt der Koenig,
Wie der Dichter ihm erwidert,
Und es schien sein Herz zu ruehren,
Als er auf Antonio blickte.
"Deine Rede lass ich gelten
Und vergeben sei den Moerdern,
Doch, nun glaub' auch an den Meister,
Wolle dich uns zugesellen."
Aber unser Dichter wuerdigt
Nun den Koenig keiner Rede,
Da sich seine Seele ruestet,
Vor den Herrn der Welt zu treten.
Wuethend riss man von den Fingern
Ihm die Haut und dann die Naegel,
Still erduldet er die Qualen,
Laesst die Henker still gewaehren.
Eh' den Holzstoss er bestiegen,
Wendet er sich zu dem Volke,
Seinen Glauben zu verkuenden,
Zu lobsingen seinem Gotte.
"Ew'ger Hort, dein Thun ist grade;
Recht sind alle deine Wege,
Dir allein will ich vertrauen,
Meine Seele dir empfehlen,
Du, vollkommen, ohne Zweiten,
Warst noch eh' die Welt erstanden,
Und in alle Ewigkeiten
Wird regieren nur dein Name!
Hoert mein letztes Wort, ihr Tauben,
Hor' es, Israel, mein theures;
Unser Gott, er ist der Ew'ge,
Unser Gott ist ewig, einzig!"
Wie empor die Flammen zuengeln,
Wie empor sie knisternd flackern,
Abzuwehren mit dem Tuche,
Sucht Antonio die Flammen.
Da taucht einer jener Henker,
In das Pechfass einen Besen,
Kreist ihn um den Bart Antonios
Fuer die gluehend muth'ge Rede.
Wie der Schrei die Luft durchzittert!
Wie jetzt selbst das Volk erbebet!
Schauer malet jedes Antlitz,
Dem noch eigen eine Seele.
Wer sind jene beiden Frauen,
Die verzweiflungsvoll sich kruemmen
Ach, es ist Antonios Gattin!
Ach, es ist Antonios Mutter!
Die man teuflisch hat gezwungen,
Diesem Schauspiel beizuwohnen,
Ob vielleicht ihr Sinn sich aendre
Vor dem Zorngerichte Gottes?
Jetzt sieht man auch Maenner weinen,
Und beim Fortgeh'n sprach ein Alter:
"Wahrlich, der gleicht jenen Helden,
Die fuer ihren Glauben starben.
Ob man sie an's Kreuz geschlagen,
Oder ob man sie vergiftet,
Dieser Mann steht neben Jenen,
Die man feiert und verhimmelt."
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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