"Sei willkommen mir zur Stunde!"
Sprach die Mutter froher Weise,
"Eines Fuersten Liebeswerben
Hab ich heut dir mitzutheilen.
Portugals beruehmter Koenig
Legt sein Reichsland dir zu Fuessen,
Fuer ihn Spricht sein Ritterwesen,
Fuer ihn sprechen wicht'ge Gruende."
Tief erschrocken hoert die Wittwe
Ihrer Mutter kurze Rede,
Deren Gruende, so betonet,
Stets im Rathschluss mussten gelten.
Isabella, unbeweglich,
Faehrt im gleichen Tone weiter:
"Manoel muss mir geloben,
Alle Juden zu vertreiben.
Portugal und Spanien seien
Eines Sinnes, Eines Glaubens,
Toleranz ist unvertraeglich
Mit dem Einen, wahren Glauben."
Diese Worte machen Eindruck
Auf die glaeubig fromme Wittwe,
Und zur Ehre Gottes will sie
Manoel in Lieb sich widmen.
Voller Eifer richtet selbst sie
An den Werber zarte Zeilen:
"Soll ich dein Gebiet betreten,
Must die Juden du vertreiben."
Manoel, der kluge Koenig,
Der mit Milde sonst regieret--
Isabellas Worte zuenden,
Keine Zeit will er verlieren.
Seine Liebe macht ihn grausam,
Unbesonnen folgt er Weibern,
Ja, noch ueberbieten will er
Sie, wenn's geht, an Grausamkeiten.
Den Befehl erlaesst er schleunig.
Dass bis zu bestimmtem Tage
Die Bekenner des "Allein'gen"
Alle sein Gebiet verlassen.
Alle Kinder die der Jahre vierzehn
Noch nicht zaehlen, soll man geben
Frommen Christen zur Erziehung,
Dass sie fromme Christen werden.
Vor dem Jammerschrei der Muetter
Sucht sich Manoel zu retten,
Blickend auf das zarte Bildniss,
Gleichend einem holden Engel.
Isabella laesst vergessen
All das Leid, das er veruebet,
Und mit Liebesgluthen eilt er,
Seine Gattin heimzufuehren.
Schon das Hochzeitsfest ist truebe,
Ploetzlich starb der Kronprinz Spaniens,
Und mit Trauer im Gemuethe
Zieh'n nach Evora die Gatten.
Manoel, dir drohet mehr noch:
Eh' ein kurzes Jahr entschwindet
Wirst du deine heissgeliebte
Isabel als Leiche finden.
Tief bewegt steht vor der Bahre
Portugals beruehmter Koenig,
Ihn erschreckt das Schrei'n des Kindes,
Das ihm Isabel geschenket.
Ob er jetzt wohl hoert das Schreien
Jener Muetter, angsterfuellet?
Das Geschrei der armen Kinder,
Denen man geraubt die Muetter?!
Tiefgebeugt steht vor der Bahre
Isabella, "die Katholische",
Bruetend, sinnend, bleichen Blickes,
Findet sie jetzt keine Worte.
Aus dem Trauerkreise zieht sie
Nach Granada mit dem Kinde,
Das in ihrem herben Schmerze
Ihr als einziger Trost geblieben.
In den Raeumen der Alhambra
Wandelt Spaniens fromme Herrin
Isabella, die geruehmt wird
Als "katholische Regentin".
Wandelt durch die Zauberhallen,
Die ein Maerchenglanz umspielet,
Und mit kummervollem Herzen
Laesst sie auf den Thron sich nieder.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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