Main Currents in Nineteenth Century Literature - 2. The Romantic School in GermanyBrandes, Georg
History
Main Currents in Nineteenth Century Literature - 2. The Romantic School in Germany
Brandes, Georg
Literature, Modern -- 19th century -- History and criticism; Naturalism in literature; Romanticism
"Kann es fürwahr nicht länger ertragen,
Muss wieder einmal um mich schlagen,
Wieder mich rühren mit allen Sinnen,
So mir dachten zu entrinnen
Von den hohen, überirdischen Lehren,
Dazu sie mich wollten mit Gewalt bekehren
Darum, so will auch ich bekennen
Wie ich in mir es fühle brennen,
Wie mir's in allen Adern schwillt,
Mein Wort so viel wie anderes gilt,
Da ich in bös' und guten Stunden
Mich habe gar trefflich befunden,
Seit ich gekommen in's Klare,
Die Materie sei das einzig Wahre.
Halte nichts vom Unsichtbaren,
Halt' mich allein am Offenbaren,
Was ich kann riechen, schmecken, fühlen,
Mit allen Sinnen drinnen wühlen.
Mein einzig' Religion ist die,
Dass ich liebe ein schönes Knie,
Volle Brust und schlanke Hüften,
Dazu Blumen mit süssen Düften,
Aller Lust volle Nährung,
Aller Liebe süsse Gewährung.
D'rum, sollt's eine Religion noch geben
(Ob ich gleich kann ohne solche leben),
Könnte mir vor den andern allen
Nur die katholische gefallen,
Wie sie war in den alten Zeiten,
Da es gab weder Zanken noch Streiten,
Waren alle ein Mus und Kuchen,
Thäten's nicht in der Ferne suchen,
Thäten nicht nach dem Himmel gaffen,
Hatten von Gott'nen lebend'gen Affen,
Hielten die Erde für's Centrum der Welt,
Zum Centrum der Erde Rom bestellt,
Darin der Statthalter residirt
Und der Welttheile Scepter führt,
Und lebten die Laien und die Pfaffen
Zusammen wie im Land der Schlaraffen,
Dazu sie im hohen Himmelhaus
Selber lebten in Saus und Braus,
War ein täglich Hochzeithalten
Zwischen der Jungfrau und dem Alten."[1]
Such a poem from such a hand is a genuine proof of the spirit of the
times; and it is instructive to observe that when Wilhelm Schlegel
(acting upon Goethe's advice) refuses to publish the poem in the
_Athenæum_, Novalis, against whom it was especially directed, writes:
"I cannot understand why _Der Widerporst_ should not be printed. Is it
on account of its atheism? Just think of _Die Götter Griechenlands_!"
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
Reviews
Reviews
No reviews yet
Be the first to share your thoughts on this work.
Elsewhere in the archive
Join the Discussion
Join the discussion
Sign in to leave a comment or review.
Sign InorCreate an account