Ihre liebenswurdige Anfrage will ich sehr gern
beantworten, obwohl ich sie nicht so beantworten kann wie ich
erwünschte. Ihr Skepticismus in der Frage der Uebertragung
erworbener Charactere auf die Nachkommen ist nur zu berechtigt.
Meine Versuche mit Veronica sind _nicht_ beweisend, da es mir
bisher nicht gelungen ist eine einigermasse konstante Varietät
mit verlaubten Inflorescenze zu erzeugen. In Bezug auf mein
Semper vivum bin ich allerdings noch heute der Meinung dass
die starke künstliche Veränderung der Blüte einen Einfluss auf
einzelnen Nachkommen gehabt hat. Ich habe seither nichts darüber
veröffentlicht: die Mehrzahl der anormalen gefüllten Blüten war
leider steril. Von einem weniger veränderten Exemplar erhielt
ich einige Sämlinge, aber sie haben noch nicht geblüht. Es kann
sich in diesem Falle nur um eine _Nachwirkung in der ersten
Generation_ handeln, vergleichbar jenen Fällen in denen Samen von
Bäumen aus den hohen Alpen in der Ebene gewisse Nachwirkungen
zeigen. Aber es ist bisher kein sicherer. Fall bekannt in den
der kunstliche herbeigeführte Charakter _mehrere Generationen
hindurch unter der gewöhnlichen "normalen" Bedingungen_
übertragen worden ist.
Auf der andere Seite sind diese negativen Resultaten nicht
entscheidend. Denn wie wenig ist in dieser Beziehung überhaupt
ernstlich versucht worden! Und zweifellos geht die Sache nicht so
einfach.
Ich versuche es mit anderen Pflanzen weil ich der Meinung bin
dass es möglich sein müsse wenigstens solche neuen Varietäten zu
erzeugen, wie sie die Gartenvarietäten entsprechen.
Aber bis jetzt leider sind die Versuche nicht gelungen, weder
mir noch irgend einem anderen.
FOOTNOTES:
[1] Semon, R., Der Stand der Frage nach der Vererbung erworbener
Eigenschaften, published in _Fortschr. der naturw. Forschung._, Bd. 11,
1910.
[2] Standfuss, M., _Denks. Schweiz. naturf. Ges._, XXXVI, 1898, p. 32.
[3] Fischer, E., _Allg. Ztschr. f. Entomologie_, Bd. VI, 1901.
[4] Out of 12 pupae treated 8 died and of the 4 survivors, one only was
affected. See M. v. Linden, _Archiv. Rassen. u. Gesells._, 1904, I.
[5] For illustrations see _Oberthur's Études d'Entom._, 1896, where many
of these curious aberrations are represented; also Barrett, _Lepid.
Brit. Islands_, II, pp. 71 and 72.
[6] Schübeler, F. C., _Die Culturpflanzen Norwegens_, 1862, especially
pp. 24 and 28.
[7] I am obliged to him and to Dr. E. Gold for much trouble taken to
answer my questions. Some idea of the kind of weather indicated by an
average of 2.76° C. above the mean may be got from a comparison with the
year 1911, which most people will remember as one of the hottest summers
they have known. The July of that year was in east and southeast England
about 4° F. above the mean but 2.67 C. means about 4.8° F. above the
mean. At Greenwich July, 1859, was about 6.5° F. above the average.
[8] Wille, N., _Biol. Cbltt._, XXV, 1905, p. 521.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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