Schlummernd lagen Wies' und Hain, 5
Jeder Pfad verlassen;
Niemand als der Mondenschein
Wachte auf der Straßen.
Leise nur das Lüftchen sprach,
Und es zog gelinder 10
Durch das stille Schlafgemach
All der Frühlingskinder.
Heimlich nur das Bächlein schlich,
Denn der Blüten Träume
Dufteten gar wonniglich 15
Durch die stillen Räume.
Rauher war mein Postillion,
Ließ die Geißel knallen,
Uber Berg und Tal davon
Frisch sein Horn erschallen. 20
Und von flinken Rossen vier
Scholl der Hufe Schlagen,
Die durchs blühende Revier
Trabten mit Behagen.
Wald und Flur im schnellen Zug 25
Kaum gegrüßt--gemieden;
Und vorbei, wie Traumesflug,
Schwand der Dörfer Frieden.
Mitten in dem Maienglück
Lag ein Kirchhof innen, 30
Der den raschen Wanderblick
Hielt zu ernstem Sinnen.
Hingelehnt an Bergesrand
War die bleiche Mauer,
Und das Kreuzbild Gottes stand 35
Hoch, in stummer Trauer.
Schwager ritt aus seiner Bahn
Stiller jetzt und trüber;
Und die Rosse hielt er an,
Sah zum Kreuz hinüber: 40
"Halten muß hier Roß und Rad,
Mag's Euch nicht gefährden;
Drüben liegt mein Kamerad
In der kühlen Erden!
"Ein gar herzlieber Gesell! 45
Herr, 's ist ewig schade!
Keiner blies das Horn so hell,
Wie mein Kamerade!
"Hier ich immer halten muß,
Dem dort unterm Rasen 50
Zum getreuen Brudergruß
Sein Leiblied zu blasen!"
Und dem Kirchhof sandt' er zu
Frohe Wandersänge,
Daß es in die Grabesruh' 55
Seinem Bruder dränge.
Und des Hornes heller Ton
Klang vom Berge wieder,
Ob der tote Postillion
Stimmt' in seine Lieder.-- 60
Weiter ging's durch Feld und Hag
Mit verhängtem Zügel;
Lang mir noch im Ohre lag
Jener Klang vom Hügel.
* * * * *
74. DIE DREI
Drei Reiter nach verlorner Schlacht,
Wie reiten sie so sacht, so sacht!
Aus tiefen Wunden quillt das Blut,
Es spürt das Roß die warme Flut.
Vom Sattel tropft das Blut, vom Zaum, 5
Und spült hinunter Staub und Schaum.
Die Rosse schreiten sanft und weich,
Sonst flöß' das Blut zu rasch, zu reich.
Die Reiter reiten dicht gesellt,
Und einer sich am andern hält. 10
Sie sehn sich traurig ins Gesicht,
Und einer um den andern spricht:
"Mir blüht daheim die schönste Maid,
Drum tut mein früher Tod mir leid."
"Hab' Haus und Hof und grünen Wald, 15
Und sterben muß ich hier so bald!"
"Den Blick hab' ich in Gottes Welt,
Sonst nichts, doch schwer mir's Sterben fällt."
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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