“Nun, du wirst ihn kennen,
Denn manches Mal
Hört’st du wohl schon nennen
Den Reuental.
Sein Gesang 45
Mein Gemüte ganz bezwang.
Der da weiss den Himmel zu verwalten,
Mag ihn mir erhalten!”
+9+
+Tannhäuser: Gute Aussicht.+
Hört, lohnen will die Herrin mir,
Der ich gedienet ohne Wank!
Das ist gar schön getan von ihr,
Drum sagt ihr alle euern Dank!
Abwenden soll ich nur den Rhein, 5
Dass er nicht mehr bei Koblenz geh’,
Dann will sie mir willfährig sein.
Und bring’ ich Sand erst aus der See,
Da wo zur Ruh’ die Sonne geht,
Erhört sie mich; doch einen Stern, 10
Der grade in der Nähe steht,
Den wünscht sie auch von mir recht gern.
Doch denkt mein Mut: was sie mir tut,
Es soll mich alles dünken gut.
Sie nahm vor mir sich gute Hut, die Reine; 15
Ausser Gott alleine
Kennt niemand ja die Liebste, die ich meine.
Nähm’ ich der Elbe ihren Fall,
Sagt sie, so tu’ sie mir noch wohl,
Dazu der Donau ihren Schall. 20
Ei ja, sie ist gar tugendvoll!
Den Salamander muss ich ihr
Erst bringen aus dem Feuer her,
Dann lohnet auch die Liebste mir
Und tut dann ganz mir nach Begehr. 25
Kann ich den Regen und den Schnee
Wegwenden, das versprach sie mir,
Dazu den Sommer, samt dem Klee,
So wird auch wohl viel Liebes mir.
Doch denkt mein Mut: was sie mir tut, 30
Es soll mich alles dünken gut.
Sie nahm vor mir sich gute Hut, die Reine;
Ausser Gott alleine
Kennt niemand ja die Liebste, die ich meine.
+10+
+Gottfried von Neifen: Die Flachsschwingerin.+
Ei ja, uns jungen Männern mag
Bei Fraun es leicht mislingen.
Es war mal mitten um den Tag,
Da hört’ ich eine schwingen:
Sie schwang Flachs,
Sie schwang Flachs, ja Flachs, ja Flachs.
Guten Morgen bot ich ihr
Und sprach: “Gott mög’ Euch ehren!”
Die schöne Jungfer dankte mir,
Ich wollte ein schon kehren.
Sie schwang Flachs,
Sie schwang Flachs, ja Flachs, ja Flachs.
Da sprach sie: “Weiber gibt’s hier nicht,
Ihr seid wohl fehlgegangen.
Eh’ Euer Will’ an mir geschicht,
Säh’ ich Euch lieber hangen!”
Sie schwang Flachs,
Sie schwang Flachs, ja Flachs, ja Flachs.
+11+
+Steinmar: Die hübsche Bäuerin.+
Sommerzeit, wie froh ich bin,
Dass ich nun kann schauen
Eine hübsche Häuslerin,
Krone aller Frauen!
Denn ein Dirnlein, das nach Kraute 5
Geht, die ist es, die als Traute
Ich ersah.
Ihr zum Dienst nur bin ich da!
Schau’ rings um dich!
Wer verstohlen minnt, der hüte sich! 10
War vor mir sie winterlang
Leider eingeschlossen,
Geht zur Heide jetzt ihr Gang,
Wo die Blüten sprossen;
Wo sie Blumen sich zum Kranze 15
Pflücket, den sie bei dem Tanze
Trägt zur Zier.
Viel noch kos’ ich da mit ihr.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
Reviews
Reviews
No reviews yet
Be the first to share your thoughts on this work.
Elsewhere in the archive
Join the Discussion
Join the discussion
Sign in to leave a comment or review.
Sign InorCreate an account