“Ja wohl,” so sprach der Kleine,
“Das tu’ ich ganz alleine.”
Den Schild zu fassen er begann
Und lief den Berner hastig an. 80
Er schlug ihm einen grimmen Schlag,
So dass sein Schild auf Erden lag.
Des Berners Zorn war gross;
Er stürtzte auf das Männlein los
Und schlug auf seinen Schildesrand, 85
So dass er fiel ihm aus der Hand.
Herr Dieterich von Bern
Hätt’ ihn betäubet gern;
Er rannt’ ihn an und mit dem Knopf
Schlug er ihn grimmig auf den Kopf, 90
Dass weit und breit erklang der Ton
Des Helmes und der goldnen Kron’.
Es schwindelte dem Zwerg sogar,
Er wusste nicht, wie’s mit ihm war.
Er griff in seine Tasche klein 95
Und holte sich sein Tarnkäpplein,
Worin er gleich unsichtbar ward.
Jetzt ging’s dem Berner erst recht hart.
Der Kleine schlug ihm hier und dort
Furchtbare Wunden fort und fort, 100
So dass dem schwergeprüften Mann
Dass Blut nun durch die Brünne rann.
Da sprach der Held von Bern:
“Ich schlüge dich ja gern,
Doch weiss ich nicht zur Frist, 105
Wo du zu treffen bist.
Wohin bist du gekommen?
Wer hat dich mir entnommen?”
Der Berner holte aus und schlug
In grimmem Zorn ob dem Betrug; 110
Und ellenweit die Waffe sein
Biss in die Felsenwand hinein.
All unverletzt der kleine Mann
Lief abermals den Berner an,
Der, hart bedrängt, den Streichen 115
Nicht wusste zu entweichen.
Er kam in furchtbare Gefahr,
Wiewohl er stark und weise war
Und sich aufs Waffenwerk verstand.
Da sprach der weise Hildebrand: 120
“Wirst du von einem Zwerg erschlagen,
Kann ich dich nicht so sehr beklagen.
Dir könnt’ es bass gelingen,
Wollt’ er nur mit dir ringen.
Ergreif’ und halte fest den Butzen, 125
So ist sein Käpplein ohne Nutzen.”
Der Berner sprach: “Ja, käm’s zum Ringen,
Es könnte mir doch bass gelingen.”
Er trug dem Zwerge grimmig Hass.
Als dieser nun bemerkte, was 130
Der Held von ihm begehrte,
Wie bald er’s ihm gewährte!
Er schleuderte sein Schwert von sich
Und stürtzte auf Herrn Dieterich.
Kraftvoll ergriff der Kleine 135
Des Riesen starke Beine,
Und beide fielen in den Klee;
Die Schande tat dem Berner weh.
Da sprach--er war ja gleich zur Hand--
Der weise Meister Hildebrand: 140
“Dietrich, lieber Herre mein,
Zerreiss’ ihm doch das Gürtelein,
Davon er hat Zwölfmännerkraft;
So magst du werden siegehaft.”
Nun ging es an ein starkes Ringen, 145
Noch wollt’s dem Berner nicht gelingen.
Gross war Herrn Dieterichs Bemühn:
Man sah’s ihm aus dem Munde sprühn,
Wie Feuer aus der Esse tut;
Nicht mehr verträglich war sein Mut. 150
Zuletzt griff er ins Gürtlein zäh
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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