Der lobenswerte Held von Bern
Vernahm des Feigen[4] Wort nicht gern,
Er sprach: “Es reut mich, Ecke.
Kann es also nicht anders sein, 40
Verlierst du bald das Leben dein,
Du ausgewählter Recke.
Also erweiche deinen Sinn
Im Namen aller Frauen;
Sonst hast du grossen Ungewinn, 45
Wie du sogleich wirst schauen.
Mit wildem Hass blickst du mich an,
Und stündst du einmal auf, müsst’ ich den Tod empfahn.”
Er riss den Helm ihm zornig ab,
Doch war der Schwertstich, den er gab, 50
Ein nutzloses Beginnen,
Denn zähes Gold schirmt’ ihm den Kopf.
Er schlug ihn grimmig mit dem Knopf,
Das Blut begann zu rinnen
Ihm allenthalben durch das Gold, 55
Es schwanden ihm die Sinne;
Der rechte Lohn war ihm gezollt.
Er öffnet’ ihm die Brünne,
Die herrliche von Golde rot,
Und stach ihn mit dem Schwerte durch;
dazu zwang ihn die Not. 60
Als er den Sieg ihm abgewann,
Da stand er ob dem kühnen Mann
Und sprach die Trauerworte:
“Mein Sieg und auch dein junger Tod,
Sie machen mich nun reuerot; 65
Ich muss an jedem Orte
Erscheinen als der Ehre bar,
Das klag’ ich dir dem Feigen.
Wohin ich auch im Lande fahr’,
Wird jeder auf mich zeigen 70
Mit starker Abscheu im Gesicht
Und sagen: Seht den Berner da, der Könige ersticht.
Da diese Tat einmal getan,
Bleib’ ich nun ohne Lob fortan
Und ohne Fürstenehre. 75
Wohlan denn, Tod, nimm du mich hin,
Da ich der Ungetreue bin;
Wer gab mir diese Lehre?
Dass ich dich, junger Held, erstach,
Es muss mich ewig dauern. 80
Zu Gott klag’ ich mein Ungemach
Mit wehmutsvollem Trauern.
Ich kann’s verhehlen vor der Welt,
Doch denk’ ich selbst daran, ist all mein Glück vergällt.”
[Notes:
3: Ecke is a redoutable young giant whose conceit leads him to
seek an encounter with Dietrich of Bern. Three queens promise him
the choice among them if he brings the famous man to them, so that
they can see him. At first Dietrich refuses to fight, but Ecke
finally goads him to it with insults. After a fierce battle Ecke
is killed.
4: In the archaic sense of ‘mortally wounded,’ ‘doomed to death.’]
3
_From the ‘Rose-garden,’ Adventure 11: The battle between Dietrich and
Siegfried._[5]
Vermessentlich die Helden zwei scharfe Schwerter zogen,
Dass spannenlange Scherben von ihren Schilden flogen.
Um die Späne von den Schilden weinte manches Weib:
“Sollen zwei Fürsten milde verlieren Leben und Leib,”
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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