Als einer, der rechtschaffen lebt
Und fromm sich Gottes Huld erstrebt. 925
So viel weiss ich von alter Sitte;
Nun, Sohn, tu mir die Ehr’, ich bitte,
Erzähle von der neuen nun.”
“Das, Vater, will ich treulich tun.
Jetzt heisst’s bei Hof nur: Immer drauf, 930
Trink, Bruder, trink, und sauf und sauf!
Trink dies, so sauf’ ich das: juchhe!
Wie könnt’ uns wohler werden je?
Nun höre, was ich sagen will:
Einst fand man edle Ritter viel 935
Bei schönen, werten Frauen.
Heut kann man sie nur schauen,
Wo unerschöpflich fliesst der Wein.
Und nichts macht ihnen Müh’ und Pein
Vom Abend bis zum Morgen, 940
Als nur das eine Sorgen,
Wenn nun der Wein zur Neige geht,
Ob sie der Wirt auch wohl berät
Und neuen schafft von gleicher Güte.
Da suchen Kraft sie dem Gemüte. 945
Ihr Minnesang heisst ungefähr:
Reich, Schenkin, schnell den Becher her!
Komm, süsses Mädchen, füll’ den Krug,
‘s gibt Narr’n und Affen noch genug.
Die, statt zu trinken, ihren Leib 950
Elend verhärmen um ein Weib.
Wer lügen kann, der ist ein Held,
Betrug ist, was bei Hof gefällt,
Und wer nur brav verleumden kann,
Der gilt als rechter höf’scher Mann. 955
Der Tüchtigste ist allerorten,
Wer schimpft mit den gemeinsten Worten.
Wer so altmodisch lebt wie ihr,
Der wird bei uns, das glaubet mir,
In Acht und schweren Bann getan. 960
Und jedes Weib und jeder Mann
Liebt ihn nicht mehr noch minder
Als Henkersknecht und Schinder.
Und Acht und Bann ist Kinderspott.”[3]
Der Alte sprach: “Erbarm’ sich Gott! 965
Ihm klag’ ich täglich neu das Leid,
Dass sich das Unrecht macht so breit.
Dahin ist der Turniere Pracht,
Dafür hat Neues man erdacht.
Einst rief man kampfesfreudig so: 970
Frisch auf, Herr Ritter, frisch und froh!
Jetzt aber schallt’s an allen Tagen:
Hussa, Herr Ritter, auf zum Jagen,
Stich hier und schlag’ zu Tode den,
Und blende, wer zu gut kann sehn. 975
Dem dort hau’ frisch nur ab das Bein,
Den lass der Hände ledig sein.
Lass den am nächsten Baume hangen,
Doch jenen Reichen nimm gefangen,
Er zahlt uns gerne hundert Pfund.” 980
“Mir sind die Sitten alle kund,
Mein Vater, und ich könnte eben
Von diesem neuen Brauch und Leben
Noch viel erzählen, doch heut nicht mehr;
Ich ritt den ganzen Tag umher, 985
Und mich verlangt nach Ruhe nun.”
[Notes:
1: A sham battle between two troops of mounted knights.
2: That is, Duke Ernst; see above, No. xvii.
3: That is: We pay no attention to the decrees of the courts.]
_Lines 1700-1790: Helmbrecht’s sad end._
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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