Wohin er kam bei seinem Wandern, 1700
Da zeigt’ ein Bauer ihn dem andern
Und schrie ihn an und seinen Knecht:
“Haha! Du dieb’scher Schuft, Helmbrecht,
Wärst du ein Bauer noch wie ich,
Man führte nicht als Blinden[4] dich.” 1705
Ein Jahr lang litt er solche Not,
Bis durch den Strang er fand den Tod.
Ich sag’ euch nun, wie das geschah.
Ein Bauer ihn von weitem sah,
Als eines Tags er durch den Wald 1710
Hinstrich um seinen Unterhalt.
Der Bauer spaltete mit andern
Sich Holz; da sah er Helmbrecht wandern,
Der eine Kuh ihm einst genommen,
Die sieben Bänder[5] schon bekommen. 1715
Gleich sprach er zu den lieben Freunden,
Dass sie zur Rachetat sich einten.
“Wahrhaftig,” fiel gleich einer ein,
“In Stücke reiss’ ich ihn so klein,
Wie Stäubchen in dem Sonnenlicht, 1720
Nimmt ihn vorweg ein andrer nicht.
Denn mir und meinem Weibe
Zog er hinweg vom Leibe
Das letzte Kleid, das unser war;
Drum ist er mein mit Haut und Haar.” 1725
Ein dritter, der dabei stand sagte:
“Und wenn er aus sich drei auch machte,
Ich wollt’ ihn töten doch allein.
Der Schuft schlug Schloss und Türen ein
Und nahm aus Küch’ und Keller frech 1730
Mir auch den letzten Vorrat weg.”
Dem vierten, der das Holz zerhieb,
Vor Wut kaum noch die Sprache blieb:
“Ich reisse gleich den Kopf ihm ab
Und denke, dass ich Ursach’ hab’. 1735
Mein Kind in einen Sack er stiess,
Dieweil’s noch schlummerte so süss.
Mitsamt den Betten stopft’ er’s ein,
In dunkler Nacht blieb ich allein.
Und als es schrie vor Schmerz und Weh, 1740
Da schleudert’ er’s in kalten Schnee.
Da wär’ es elend umgekommen,
Hätt’ ich’s nicht schnell ins Haus genommen.”
Der fünfte sprach: “Ja, meiner Treu,’
Wie ich mich seines Hierseins freu’! 1745
Wie soll mein Herz sich heute weiden
An seinen Qualen, seinen Leiden!
Er tat Gewalt an meinem Kind;
Und wär’ er dreimal noch so blind,
Ich hängt’ ihn an den nächsten Baum. 1750
Ich selber rettete mich kaum
Aus seinen Händen, nackt und bloss.
Ja, wär’ er wie ein Haus so gross,
Es wird an ihm noch heut gerochen,
Nun er sich hierher hat verkrochen 1755
In diesen tiefen, dichten Wald.”
“Nur näher, kommt doch näher bald!”
So riefen sie, und bald ergoss
Sich auf Helmbrecht der ganze Tross.
Indes die Schläge auf ihn sausten, 1760
Hohnworte ihm im Ohre brausten:
“Helmbrecht, die Haube[6] nimm in Acht!”
Was Henkershand noch nicht vollbracht
An diesem Werk voll Schmuck und Zier,
Das war gar bald getan allhier. 1765
Ein grauses Bild: auch nicht ein Stück,
Breit wie ein Pfennig, blieb zurück.
Die Sittiche und Lerchen schön,
Wie lebende fast anzusehn,
Die Sperber und die Turteltauben, 1770
Und was genäht sonst auf die Hauben,
Das lag zerstreut nun allerorten.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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