Ihr Frauen, lasst die Büchsen stehn!
Ihr sollt damit von hier nicht gehn,
Sie kosteten mir allzuteuer; 100
Die macht’ ich neulich überm Feuer.
Geht schnell von meinem Krame ab,
Sonst schlag’ ich euch mit einem Stab.
_Der Krämer spricht zu ihr:_
Wie doch, Ihr böse Haut!
Wie dürft Ihr immer werden laut? 105
Wollt Ihr tadeln mein Verkaufen,
Ich will Euch schlagen, will Euch raufen.
MERCATRIX
Wie ist der Flachsbart doch so dreist!
Du bist ein rechter Plagegeist.
Der Geier soll dich schänden 110
Hier unter meinen Händen!
MERCATOR
Frau, lasst ab von Eurem Schwatzen,
Sonst fühlt Ihr nächstens meine Tatzen.
MERCATRIX
Ich schweige nicht, das sag’ ich dir!
Wenn du kommst von deinem Bier, 115
Bist du betrunken wie ein Schwein.
Mög’ es dir nimmermehr gedeihn!
MERCATOR
Schweigt, Frau, sonst rollt Ihr bald zu Hauf.
MERCATRIX
Da drüben geht der Vollmond auf.
MERCATOR
Schweigt, oder ich geb’ Euch einen Schlag. 120
MERCATRIX
Klotz, da er hier besoffen lag!
MERCATOR
O du altes Redefass!
Ich trug dir doch niemals Hass.
Nun geb’ ich dir eins auf den Kopf,
Dass es summt dir unterm Schopf. 125
Und eins noch kriegst du auf den Rücken,
Das weh tun soll in allen Stücken.
MERCATRIX
Ach, ach, ach und leider!
Sind das doch die neuen Kleider,
Die du zu Ostern mir gesandt. 130
Wärst du nur ins Feuer gerannt!
Gott gebe dir Geschwür’ im Magen,
Dass du krepierst in wenig Tagen!
Wärst du nicht zu Wien entgangen,
Man hätte dich schon längst gehangen. 135
Du hast auch einen roten Bart
Und bist ein Kobold schlimmster Art.
MERCATOR
Fraue, liebe Fraue mein,
Möget Ihr immer selig sein!
Vergib mir, dass ich dich geschlagen, 140
Aber du hast so viel zu sagen.
Die Klage machst du mannigfalt,
Und daran tust du mir Gewalt.
Du hast ein wunderlich Gebärde,
Und willst mich bringen unter die Erde. 145
MERCATRIX
Ja, ich vergebe dir die Schläge
Am Tag, wo ich dich ins Grab hinlege.
MERCATOR (_zu Rubin_)
Hinweg mit den Pulvern!
Hier kann ich nicht mehr bleiben.
Hebe auf Korb und Stab, 150
Und laufen wir nach Arab
Weithin von diesem Lande:
Sonst kämen wir vielleicht zu Schande.
RUBINUS (_dicit_)
Herr, ich packe ein recht gerne
Und laufe mit in weite Ferne. 155
[Notes:
2: The original is printed in the _Fundgruben_ of Hoffmann von
Fallersleben, 1837. The ‘Personen’ are the three Marys, who go at
break of day to anoint the body of the buried Christ. On the way
they are taken in by a peripatetic quacksalver who has a
cantankerous wife and a scapegrace clerk named Rubin.]
+XXXV. REYNARD THE FOX+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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