Und bring’ Euch frei, Ihr habt mein Wort.
Geht dreist zu Hof, Ihr findet dort
Frau Riechgenau, mein Ehgemahl. 75
Der König liebt sie, und zumal
Auch unsre Frau, die Königin,
Denn sie hat klugen, behenden Sinn.
Sprecht sie an, sie liebt die Herrn
Und verwendet sich für Freunde gern. 80
Sie ist Euch zu jedem Dienst erbötig.
Das Recht hat manchmal Hilfe nötig.
Bei ihr sind ihrer Schwestern zwei,
Dazu auch meiner Kinder drei
Und viel andre noch von Euerm Geschlecht, 85
Die gern Euch helfen zu Euerm Recht.
Kann Euch denn sonst kein Recht geschehn,
So lass’ ich meine Macht Euch sehn.
Macht es mir nur gleich bekannt.
Alle, die wohnen im ganzen Land, 90
Den König und alle, Weib und Mann,
Die bring’ ich in des Papstes Bann
Und schick’ ein Interdict so schwer,
Man soll nicht begraben noch taufen mehr,
Und keine Messe lesen noch singen. 95
Drum, lieber Ohm, seid guter Dingen!
Der Papst ist ein alter, schwacher Mann,
Er nimmt sich keiner Sache mehr an;
Drum hat man sein auch wenig acht.
Am Hofe übt die ganze Macht 100
Der Kardinal von Ohnegenügen,
Ein rüstiger Mann, der weiss es zu fügen.
Ich kenn’ ein Weib, die hat er lief,
Die soll ihm bringen einen Brief.
Mit der bin ich sehr wohl bekannt, 105
Und, was sie will, geschieht im Land.
Sein Schreiber heisst Johann Partei,
Der kennt wohl Münze alt und neu.
Horchgenau ist sein Kumpan,
Der ist des Hofes Kurtisan. 110
Wendundschleich ist Notarius,
Beider Rechte Baccalaureus;
Übt der ein Jahr noch seine Tücken,
So wird er Meister in Praktiken,
Moneta und Donarius halten jetzt 115
Die Richterstühle dort besetzt;
Wem sie das Recht erst abgesprochen,
Dem ist und bleibt der Stab gebrochen.
So gilt in Rom jetzt manche List,
Daran der Papst unschuldig ist. 120
Die muss ich alle zu Freunden halten:
Sie haben über die Sünden zu schalten
Und lösen das Volk all aus dem Bann.
Oheim, vertraut Euch mir nur an!
Der König hat es schon vernommen, 125
Dass ich Euch will zu Hilfe kommen.
Er weiss auch, dass ich der Mann dazu bin;
Drum kommt Ihr nicht zu Ungewinn.
Bedenkt alsdann der König recht,
Wie viele vom Affen- und Fuchsgeschlecht, 130
In seinem geheimsten Rate sitzen.
Geh’s wie es will, das muss Euch nützen.”
Reineke sprach: “Ich bin getröstet;
Ich dank’ Euch’s gern, wenn Ihr mich löstet.”
+XXXVI. PETER SUCHENWIRT+
The most gifted verse-writer of the poetically barren 14th century. He
was a ‘wandering singer’ who depended for his livelihood upon the
patronage of princes and spent the most of his life in Austria. He died
about 1400. The selection is a translation of his _Red’ von der Minne_.
+A Discourse of Love.+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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