[Notes:
34: Erk and Böhme, I, 374. Imagine the story thus: A faithless
wife instigates her husband’s squire to kill him. When the murder
is reported to her she is at first pleased, then touched with
remorse. She rides forth to find the body of her husband, and the
lilies--symbols of purity--bow in shame as she passes. At sight of
her dead husband’s face, she resolves to enter a convent.
35: _Wenig_.
36: _Fräulein_ here in the sense of ‘young wife’; _um des
Fräuleins Güte_, ‘to gain the young wife’s favor.’
37: _Und der_ is pleonastic.
38: _Täten sich neigen_, ‘did bow’; _täten_ being indicative.
39: _Lan_, for _lassen_.
40: _Durch meinen Willen_, ‘for my sake.’
41: Addressed to the husband; he is not to accuse her before God.]
+6+
+Tannhäuser.+[42]
Nun will ich aber heben an
Von dem Tannhäuser singen,
Und was er Wunders hat getan
Mit Venus, der edlen Minne.
Tannhäuser war ein Ritter gut, 5
Wann er wollt’ Wunder schauen,
Er wollt’ in Frau Venus Berg,
Zu andern schönen Frauen.
“Herr Tannhäuser, Ihr seid mir lieb,
Daran sollt Ihr gedenken! 10
Ihr habt mir einen Eid geschworn,
Ihr wollt von mir nit wenken.”
“Frau Venus, das en[43] hab ich nit,
Ich will das widersprechen;
Und red’t das jemands mehr denn Ihr,[44] 15
Gott helf’ mir’s an ihm rächen!”
“Herr Tannhäuser, wie red’t Ihr nun?
Ihr sollt bei mir beleiben;[45]
Ich will Euch mein’ Gespielin geben
Zu einem stäten Weibe.” 20
“Und nähm’ ich nun ein ander Weib,
Ich hab’ in meinem Sinne:
So müsst’ ich in der Hölle Glut
Auch ewiglich verbrinnen.”
“Ihr sagt mir viel von der Hölle Glut, 25
Habt es doch nie empfunden;
Gedenkt an meinen roten Mund,
Der lacht zu allen Stunden.”
“Was hilft mich Euer roter Mund?
Er ist mir gar unmäre;[46] 30
Nun gebt mir Urlaub, Fräulein zart,
Durch aller Frauen Ehre!”
“Herr Tannhäuser, wollt Ihr Urlaub han,
Ich will Euch keinen geben;
Nun bleibt hie, edler Tannhäuser, 35
Und fristet Euer Leben.”
“Mein Leben das ist worden krank,
Ich mag nit länger bleiben;
Nun gebt mir Urlaub, Fräulein zart,
Von Eurem stolzen Leibe!” 40
“Herr Tannhäuser, nit reden also,
Ihr tut Euch nit wohl besinnen;
So gehn wir in ein Kämmerlein
Und spielen der edlen Minne.”
“Eu’r Minne ist mir worden leid, 45
Ich hab’ in meinem Sinne:
Frau Venus, edle Fraue zart,
Ihr seid ein’ Teufelinne.”
“Herr Tannhäuser, was red’t Ihr nun,
Und dass Ihr mich tut schelten? 50
Nun, sollt Ihr länger hierinnen sein,
Ihr müsst’ es sehr entgelten.”
“Frau Venus, das en will ich nit,
Ich mag nit länger bleiben.
Maria Mutter, reine Maid, 55
Nun hilf mir von dem Weibe!”
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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