“Die zweite Vorstellung,” sprach er, “war also: Ich nahm in meine
Gedanken mein Herz und aller Menschen Herzen und überlegte, welche Lust
und Freude, was für Glück und Frieden die geniessen, die ihr Herz Gott
allein geben, und dagegen was für Schaden und Leiden, was für Qual und
Unruhe vergängliche Minne ihren Untertanen einträgt, und ich rief dann
mit grosser Sehnsucht zu meinem Herzen und den andern Herzen, wo sie
auch sein möchten in allen Enden dieser Welt: Wohlauf, ihr gefangenen
Herzen, aus den engen Banden vergänglicher Minne! Wohlauf, ihr
schlafenden Herzen, aus dem Tode der Sünde! Wohlauf, ihr üppigen Herzen,
aus der Lauheit eures trägen, lässigen Lebens! Hebt euch auf mit einer
gänzlichen ledigen Umkehr zu dem minniglichen Gott: _Sursum corda!_”
[Notes:
4: Kürschners Deutsche National-Litteratur, Vol. 12{2}, page 210.]
4
_From the ‘Farmer of Bohemia,’ Chapter 3: A bereaved husband
expostulates with Death for taking away his wife._[5]
Ich bin genannt ein Ackermann; von Vogelweid’ ist mein Pflug.[6] Ich
wohne im Böhmer Land. Gehässig, widerwärtig und widerstrebend soll ich
Euch [o Tod] immer mehr sein, denn Ihr habt mir den zwölften
Buchstaben,[7] meiner Freuden Hort, gar grausam aus dem Alphabet
entrückt. Ihr habt meiner Wonne lichte Sommerblume mir aus des Herzens
Anger auf ewig ausgerodet. Ihr habt meines Glückes Inbegriff, meine
auserwählte Turteltaube, arglistig entfremdet; Ihr habt
unwiederbringlichen Raub an mir getan. Erwägt es selber, ob ich nicht
billig zürne, wüte und klage; bin ich doch von Euch freudenreichen
Wesens beraubt, täglicher guter Lebtage verlustig gemacht, und aller
wonnebringenden Freuden benommen. Froh und freudig war ich ehemals zu
jeder Stunde; kurz und lustig war all meine Zeit Tag und Nacht in
gleichem Mass, beide freudenreich, überschwenglich reich. Jedes Jahr war
für mich ein gnadenreiches Jahr. Nun wird zu mir gesagt: Vorbei! bei
trübem Getränk, bei dürrem Ast, betrübt, schwarz und zerstört, bleib’
und heul’ ohne Unterlass! Also treibt mich der Wind; ich schwimme durch
des wilden Meeres Flut; die Wogen haben überhand genommen, mein Anker
haftet nirgends. Darum will ich schreien ohne Ende: Tod, seid verflucht!
[Notes:
5: Kürschners Deutsche National-Litteratur, Vol. 12{2}, page 145,
with comparison of Knieschek’s edition, Prag, 1877. The work
consists of thirty-two chapters in which, alternately, the
widower complains and Death replies. Then God, as judge, decides
in favor of Death: the body must die that the soul may live. The
whole ends with a fervid and eloquent prayer for the repose of the
dead wife’s soul.
6: It is conjectured that the author was a schoolmaster who chose
to call himself symbolically an _Ackermann_, that is, a ‘sower of
seed.’ Hence he says that his ‘plow’ comes from the birds; in
other words, it is a pen.
7: The letter M with which the dead wife’s name (Margareta) began.]
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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