Mein liebes Weib, du hab gedult!
Die lieb im hertzen ligt verporgen!
Mhü vnd arbeit vnd teglichs sorgen 60
Thut vil schertz vnd schimpffens vertreiben.
Meinst drumb, ich bul mit andern weiben?
Des denck nur nit! ich bin zu frumb.
Die FRAW spricht:
Ich halt dich vor ein Bulr kurtzumb:
Sey denn sach,[27] das du dich purgierst, 65
Der zicht[28] von mir nicht ledig wirst.
Der MANN reckt 2 finger auff, spricht:
Ich wil ein herten Eyd dir schwern,
Das ich mein Eh nit thet versehrn
Mit andren schönen Frawen jung.
Die FRAW spricht:
Mein lieber Man, das ist nicht gnung. 70
Eyd schwern ist leichtr, denn Ruben grabn.
Der MANN spricht:
Mein liebes Weib, was wilt denn habn?
Die FRAW spricht:
So trag du mir das heisse Eyssen!
Darmit thu dein vnschuld beweissen!
Der MANN spricht:
Ja, Fraw, das wil ich geren thon. 75
Geh! heiss die Gfattern vmbher gon,
Das sie das Eyssen leg ins Fewr!
Ich wil wagen die abenthewr
Vnd mich purgiren, weil ich leb,
Das mir die Gfatter zeugnus geb. 80
(_Die Fraw geht auss. Er spricht:_)
Mein Frau die treibt gar seltzam mucken[29]
Vnd zepfft mich an mit diesen stucken,[30]
Das ich sol tragen das heiss Eyssen,
Mein Vnschuld hie mit zu beweissen,
Das ich nie brechen hab mein Eh. 85
Es thut mir heimlich auff sie weh.
Ich hab sie nie bekümmert mit,
Ob sie jr Eh halt oder nit.
Nun ich wil jr ein schalkheit thon,
In Ermel stecken diesen Spon. 90
Wenn ich das Eyssn sol tragn dermassn,
So wil ich den Span heimlich lassen
Herfür hoschen[31] auff meine Hendt,
Das ich vom Eyssen bleib vnprent.
Mein frömbkeit ich beweissen thu. 95
Da kommen sie gleich alle zwu.
Die ALT tregt das heiss Eyssen in einer Zangen vnd spricht:
Glück zu, Gfatter! das Eyssn ist heiss.
Macht nur da einen weyten Kreiss!
Da legt jms Eyssen in de mit!
Tragt jrs herauss vnd prent euch nit, 100
So ist ewer vnschuld bewert,
Wie denn mein Gfattern hat begert.
Der MANN spricht:
Nimb hin! da mach ich einen kreiss.
Legt mir das glüend Eyssen heiss
Daher in kreiss auff diesen Stul! 105
Vnd ist es sach, vnd das ich Bul,
Das mir das heyss Eyssen als denn
Mein rechte Hand zu kolen prenn.
(_Der Man nimbt das Eysen auff die Hand, tregets auss dem Kreiss vnd
spricht:_)
Mein weib, nun bist vergwiest[32] fort hin,
Das ich der zieht vnschuldig bin, 110
Das ich mein Eh hab brochen nie,
Weil ich das glüend Eyssen hie
Getragen hab gantz vngebrent.
Das WEIB spricht:
Ey, las mich vor schawen dein Hendt!
Der MANN spricht:
Se hin! Da schaw mein rechte hand, 115
Das sie ist glat vnd vnverprant!
Die FRAW schawt die hand, spricht:
Nun, du hast recht; das merck ich eben.
Man muss dir dein Kü wider geben.[33]
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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