Der MANN spricht:
Du must mir vnschuldigen Man
Vor meinr gfattern ein widrspruch than. 120
Die FRAW spricht:
Nun, du bist fromb, vnd schweig nur stil!
Nichts mehr ich dir zusachen wil.
Der MANN spricht:
Weil du nun gnug hast an der prob,
Wil ich nun auch probieren, ob
Du dein Eh biss her habst nit prochen 125
Von anfang, weilt[34] mir warst versprochen.
Mein Gfattern, thut darzu ewr stewr!
Legt das Eyssn wider in das Fewr,
Das es erfewr vnd glüend wer!
Darnach so bringt mirs wider her, 130
Auff das es auch mein Fraw trag mir,
Darmit jr frömbkeit ich probier!
Die GEFATTER spricht:
Ey, was wolt jr ewr Frawen zeyhen?
Thut sie des heissen Eyssens freyen!
Der MANN spricht:
Ach, liebe Gfattr, was ziech sie mich? 135
Die FRAW spricht:
Mein hertz lieber Mann, wiss, das ich
Das hab auss lauter einfalt than!
Der MANN spricht:
Gfatter, legt bald das Eyssen an!
Darfür hilfft weder fleh noch bit.
(_Die Gefatterin geht hin mit dem Eyssen._)
Die FRAW spricht:
Mein lieber Mann, weistu dann nit, 140
Ich hab dich lieb im hertzen grundt.
Der MANN spricht:
Dein that laut anders, denn dein mundt,
Da ich das heiss Eyssen must tragen.
Die FRAW spricht:
Ach, mein Mann, thu nicht weyter fragen,
Sonder mir glauben vnd vertrawen 145
Als einer auss den frömbsten Frawen!
Lass mich das heiss Eyssen nicht tragen!
Der MANN spricht:
Was darffst dich lang weren vnd klagen?
Bist vnschuldig, so ists schon fried,
So prent dich das heiss Eyssen nit 150
Vnd hast probiert dein Weiblich Ehr.
Derhalb schweig nur vnd bitt nicht mehr!
Die GFATTER
bringt das glüent eysen, legts auff den stul im kreiss, spricht:
Gfattern, da liegt das glüend Eyssen,
Ewer vnschuld mit zu beweisen.
Der MANN spricht:
Nun geh zum Eyssen! greiff es an! ...[35] 155
Die GEFATTER spricht:
Mein Gfatter, lasts best bey euch liegen!
Wölt meiner Gfattern vergeben das!
Wer ist der, der sich nie vergass?
Kompt! wir wöllen dran giessn ein Wein!
Der MANN spricht:
Nun, es sol jr verziehen sein! 160
Mein Fraw bricht Häfn,[36] so brich ich Krüg,
Vnd wo ich anderst redt, ich lüg.
Doch, Gfatter, wenn jr bürg wolt werden,
Dieweil mein Weib lebet auff Erden,
Das sie solches gar nimmer thu. 165
Die GEFATTER spricht:
Ey ja, glück zu, Gfatter! glück zu!
Ich wil euch gleich das glait[37] heimgeben.
Vnd wöllen heint in freuden leben
Vnd auff ein newes[38] Hochzeit halten
Vnd gar vrlaub geben der alten. 170
Das kein vnrat weyter drauss wachs
Durch das heiss Eyssen, wünscht Hans Sachs.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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