Wie manche schöne Stadt,
Die sonst das ganze Land durch Pracht gezieret hat,
Ist jetzund Asch und Staub! Die Mauren sind verheeret,
Die Kirchen hingelegt, die Häuser umgekehret.
Wie wann ein starker Fluss, der unversehens kömt, 5
Die frische Saate stürzt, die Äcker mit sich nimt,
Die Wälder niederreisst, läuft ausser seinen Wegen,
So hat man auch den Plitz und schwefelichte Regen
Durch der Geschütze Schlund mit grimmiger Gewalt,
Dass alles Land umher erzittert und erschallt, 10
Gesehen mit der Luft hin in die Städte fliegen.
Des Rauches Wolken sind den Wolken gleich gestiegen,
Der Feuer-Flocken See hat alles überdeckt
Und auch den wilden Feind im Läger selbst erschreckt.
Das harte Pflaster hat geglühet und gehitzet, 15
Die Thürme selbst gewankt, das Erz darauf geschwitzet;
Viel Menschen, die der Schar der Kugeln sind entrant,
Sind mitten in die Glut gerathen und verbrant,
Sind durch den Dampf erstickt, verfallen durch die Wände
Was übrig blieben ist, ist kommen in die Hände 20
Der argsten Wütherei, so, seit die Welt erbaut
Von Gott gestanden ist, die Sonne hat geschaut.
Der Alten graues Haar, der jungen Leute Weinen,
Das Klagen, Ach und Weh der Grossen und der Kleinen,
Das Schreien in gemein von Reich und Arm geführt, 25
Hat diese Bestien im minsten nicht gerührt.
Hier half kein Adel nicht, hier ward kein Stand geachtet,
Sie musten alle fort, sie wurden hingeschlachtet,
Wie wann ein grimmer Wolf, der in den Schafstall reisst,
Ohn allen Unterschied die Lämmer niederbeisst. 30
Der Mann hat müssen sehn sein Ehebette schwächen,
Der Töchter Ehrenblüt’ in seinen Augen brechen,
Und sie, wann die Begier nicht weiter ist entbrant,
Unmenschlich untergehn durch ihres Schänders Hand.
+LI. PAUL FLEMING+
1609-1640. Fleming was a gifted lyric poet of the Opitzian era. A Saxon
by birth, he studied medicine at Leipzig, where he learned to admire
Opitz. Five years of his short life were spent in connection with an
embassy of the Duke of Holstein to Russia and Persia. His best work is
found in the poems, more especially the sonnets, which he wrote during
this long absence from the fatherland. The selections follow Tittmann’s
edition in _Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts_.
+1+
+An einen guten Freund.+
Lass der Zeit nur ihren Willen
Und vergönn’ ihr ihren Lauf;
Sie wird sich selbst müssen stillen,
Wenn wir nichts nicht geben drauf.
Meistes Elend wird verschmerzet, 5
Wenn mans nicht zu sehr beherzet.
Ist es heute trübes Wetter,
Morgen wird es heiter sein;
Stimmen doch die grossen Götter
Stets an Lust nicht überein. 10
Und wer weiss, wie lang er bleibet,
Der uns itzo so vertreibet.[1]
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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