Ob die Sonne gehet nieder
Und den Erdkreiss traurig macht,
Doch so kömt sie fröhlich wieder 15
Nach der überstandnen Nacht.
Herrschen itzund Frost und Winde,
Balde wird es sein gelinde.
Unterdessen sei der Deine,
Brich nicht ab der ersten Kost[2]; 20
Labe dich mit altem Weine
Und versuch den jungen Most.
Lass uns einen Rausch noch kaufen,
Ehe denn wir müssen laufen.
[Notes:
1: Lines 11-12 allude, probably, to the occupation of Leipzig by
imperial troops in 1632.
2: _Der ersten Kost_, ‘your previous fare.’ _Abbrechen_ with
dative = _Abbruch tun, verkürzen, vermindern_.]
+2+
+An Basilenen[3]: Nachdem er von ihr gereiset war.+
Ist mein Glücke gleich gesonnen,
Mich zu führen weit von dir,
O du Sonne meiner Wonnen,
So verbleibst du doch in mir.
Du in mir und ich in dir 5
Sind beisammen für und für.
Künftig werd’ ich ganz nicht scheuen,
Kaspis, deine fremde Flut,
Und die öden Wüsteneien,
Da man nichts als fürchten thut. 10
Auch das Wilde macht mir zahm,
Liebste, dein gelobter Nam’.
Überstehe diese Stunden,
Schwester, und sei unverwant.
Ich verbleibe dir verbunden, 15
Und du bist mein festes Band.
Meines Herzens Trost bist du,
Und mein Herze selbst darzu.
Ihr, ihr Träume, solt indessen,
Unter uns das Beste thun. 20
Kein Schlaf, der sol ihr vergessen,
Ohne mich sol sie nicht ruhn,
Dass die süsse Nacht ersetzt,
Was der trübe Tag verletzt.
Lebe, meines Lebens Leben, 25
Stirb nicht, meines Todes Tod,
Dass wir uns uns wiedergeben,
Abgethan von aller Noth.
Sei gegrüsst, bald Trost, itzt Qual,
Tausend, tausend, tausendmal! 30
[Notes:
3: While sojourning in Reval, on his way to Asia, Fleming fell in
love with Elsabe Niehusen, but later transferred his affections
to her sister Anna. Basilene is one of several poetic names for
Elsabe.]
+3+
+Inter Brachia Salvatoris.+[4]
Des Donners wilder Plitz schlug von sich manchen Stoss,
Das feige Volk stund blass, das scheuche Wild erzittert’
Vom Schmettern dieses Knalls. Die Erde ward erschüttert.
Mein Fuss sank unter sich, der Grund war bodenlos.
Die Gruft, die fiel ihr nach,[5] schlung mich in ihren Schoss.
Ich gab mich in die See, in der es grausam wittert’
Der Sturm flog klippenhoch. Mein Schiff, das ward gesplittert,
Ward leck, ward Anker[6] quit, ward Mast[6] und Segel[6] bloss.
Vor, um und hinter mir war nichts als eine Noth;
Von oben Untergang, von unten auf der Tod,
Es war kein Muttermensch, der mit mir hatt’ Erbarmen.
Ich aber war mir gleich, zum Leben frisch und froh,
Zum Sterben auch nicht faul auf[7] wenn und wie und wo,
Denn mein Erlöser trug mich allzeit auf den Armen.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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