Und da ich heut verübet, 25
Was gegen dein Geboth
Und deinen Geist betrübet,
Das sey vertilgt und todt
Durch Christi theures Blut,
Das mildiglich geflossen, 30
Als er es, mir zu guth,
Aus Liebe hat vergossen.
Und weil ich jetzt sol schlafen,
So lass mich sicher seyn
Durch deiner Aufsicht Waffen, 35
Schleuss deiner Huth mich ein!
Des Teufels Mord und List,
Der bösen Menschen Tücke
Und was sonst schädlich ist,
Treib, Herr, von mir zurücke! 40
Lass mich kein böses Ende
Betreten allermeist,
Denn ich in deine Hände
Befehle meinen Geist.
Ich bin zu aller Zeit 45
Dein Eigenthum und Erbe,
Es sey lieb oder leid,
Ich leb, Herr, oder sterbe.
+2+
+Opitz in Königsberg.+[1]
Ist es unsrer Seiten Werck’
Je einmahl so wol gelungen,
Dass wir dir, o Königsbergk,
Etwas Gutes vorgesungen,
So vernimm auch diess dabey, 5
Wer desselben Stiffter sey.
Dieser Mann, durch welchen dir
Jetzt die Ehre wiederfähret,
Dass der Deutschen Preiss und Zier
Sämptlich bey dir eingekehret, 10
Opitz, den die gantze Welt
Für der Deutschen Wunder hält.
Ach, der Aussbund und Begriff
Aller hohen Kunst und Gaben,
Die der Alten Weissheit tieff 15
Ihrem Ertz hat eingegraben,
Und der lieben Vorfahrt[2] Handt
Uns so treulich zugesandt!
Man erschricket, wenn er nun
Seiner tieff-erforschten Sachen 20
Abgrund anhebt auffzuthun,
Und sein Geist beginnt zu wachen;
Wer alsdan ihn los sieht gehn,
Der sieht Welschlandt und Athen.
Orpheus giebt schon besser Kauff,[3] 25
Hört er dieses Mannes Seiten,
Unser Maro horchet auff,
Sagt: Was sol mir das bedeuten?
Wird der Weisen Lieder-Ruhm
Nun der Deutschen Eigenthum? 30
Ja, Herr Opitz, eurer Kunst
Mages Deutschland einig dancken,
Dass der fremden Sprachen Gunst
Mercklich schon beginnt zu wancken,
Und man nunmehr ins gemein 35
Lieber deutsch begehrt zu sein.
Wer hat eurer süssen Handt
Diesen Nachdruck mitgegeben,
Dass das gantze Norden-Landt,
Wenn ihr schlagt, sich muss erheben, 40
Und so mancher edler Geist
Euch zu folgen sich befleist?
Last den stoltzen Thracer-Fluss
Nicht so trotzig sich ergiessen,
Und den edlen Mincius 45
Was bescheidentlicher fliessen:
Eures Bobers kleine Fluth
Nimmt doch allen nun den Muth.
Wol euch, Herr! Was für ein Lohn
Hat sich hie mit eingedinget, 50
Dass von hie ab euer Ton
Bis in jenes Leben dringet,
Dessen Nachklangk aller Zeit
Und Vergängnüss sich befreyt?
Hie kunt’ eure Jugend zwar 55
Schon den Lorbeer-Krantz erjagen,
Aber dort wird euer Haar
Erst der Ehren Krohne tragen,
Die euch David gern gesteht,
Weil ihr seinen Fusspfad geht. 60
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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