Ich will dir folgen durch Wälder, durch Meer,
Durch Eis, durch Eisen, durch feindliches Heer.
Annchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn’,
Mein Leben schliess’ ich um deines herum. 20
Was ich gebiete, wird von dir gethan,
Was ich verbiete, das lässt du mir stahn.
Was hat die Liebe doch für ein Bestand,
Wo nicht ein Herz ist, ein Mund, eine Hand?
Wo man sich peiniget, zanket und schlägt, 25
Und gleich den Hunden und Katzen beträgt?
Annchen von Tharau, das woll’n wir nicht thun;
Du bist mein Täubchen, mein Schäfchen, mein Huhn.
Was ich begehre, ist lieb dir und gut;
Ich lasse den Rock dir, du lässt mir den Hut. 30
Dies ist uns, Annchen, die süsseste Ruh’,
Ein Leib und Seele wird aus Ich und Du.
Dies macht das Leben zum himmlischen Reich,
Durch Zanken wird es der Hölle gleich.
+LV. PAUL GERHARDT+
1607-1676. Gerhardt was a Lutheran pastor who is preëminent as a writer
of hymns for worship. His psalmody has less of the militant spirit than
Luther’s, his voice being the voice of German Protestantism as chastened
by the terrible sufferings of the great war. The selections follow
Wolff’s edition in Kürschner’s _Nationalliteratur_, Vol. 31.
+1+
+Befiehl dem Herrn deine Wege.+
Befiehl du deine Wege,
Und was dein Herze kränkt,
Der allertreusten Pflege
Des, der den Himmel lenkt:
Der Wolken, Luft und Winden 5
Giebt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuss gehen kann.
Dem Herren musst du trauen,
Wann dirs soll wohlergehn; 10
Auf sein Werk musst du schauen,
Wann dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
Und mit selbsteigner Pein
Lässt Gott ihm gar nichts nehmen, 15
Es muss erbeten sein.
Dein ewge Treu und Gnade,
O Vater, weiss und sieht,
Was gut sei oder schade
Dem sterblichen Geblüt: 20
Und was du denn erlesen,
Das treibst du, starker Held,
Und bringst zum Stand und Wesen,
Was deinem Rat gefällt.
Weg hast du allerwegen, 25
An Mitteln fehlt dirs nicht;
Dein Thun ist lauter Segen,
Dein Gang ist lauter Licht,
Dein Werk kann niemand hindern,
Dein Arbeit darf nicht ruhn, 30
Wann du, was deinen Kindern
Erspriesslich ist, willst thun.
Und ob gleich alle Teufel
Hie wollten widerstehn,
So wird doch ohne Zweifel 35
Gott nicht zurücke gehn:
Was er ihm fürgenommen
Und was er haben will,
Das muss doch endlich kommen
Zu seinem Zweck und Ziel. 40
Hoff, o du arme Seele,
Hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
Da dich der Kummer plagt,
Mit grossen Gnaden rücken: 45
Erwarte nur der Zeit,
So wirst du schon erblicken
Die Sonn der schönsten Freud.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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