Mein Augen stehn verdrossen,
Im Hui sind sie geschlossen;
Wo bleibt denn Leib und Seel?
Nimm sie zu deinen Gnaden, 40
Sei gut für allem Schaden,
Du Aug und Wächter Israel.
Breit aus die Flügel beide,
O Jesu, meine Freude,
Und nimm dein Küchlein ein. 45
Will Satan mich verschlingen,
So lass die Englein singen:
Dies Kind soll unverletzet sein.
Auch euch, ihr meine Lieben,
Soll heinte nicht betrüben 50
Ein Unfall noch Gefahr.
Gott lass euch selig schlafen,
Stell euch die güldne Waffen
Ums Bett und seiner Engel Schar.
+LVI. FRIEDRICH SPE+
1591-1635. Spe was a Jesuit father who won distinction as a poet and
also as an opponent of the witch-burning mania. His collection of lyric
poems called _Trutz-Nachtigall_, or _Match-Nightingale_, is interesting
for its singular blend of erotic imagery with sincere religious feeling.
The poems indicate a genuine delight in certain aspects of nature. The
selections follow Wolff’s edition, in Kürschner’s _Nationalliteratur_,
Vol. 31.
+1+
+Ein Liebgesang der Gespons Jesu.+
Die reine Stirn der Morgenröt
War nie so fast gezieret,
Der Frühling, nach dem Winter öd,
War nie so schön muntieret,
Die weiche Brust der Schwanen weiss 5
War nie so wohl gebleichet,
Die gülden Pfeil der Sonnen heiss
Nie so mit Glanz bereichet:
Als Jesu Wangen, Stirn und Mund
Mit Gnad seind übergossen. 10
Lieb hat aus seinen Äuglein rund
Fast tausend Pfeil verschossen:
Hat mir mein Herz verwundet sehr,
O weh der süssen Peine!
Für Lieb ich kaum kann rasten mehr, 15
Ohn Unterlass ich weine.
Wie Perlen klar aus Orient
Mir Zähr von Augen schiessen:
Wie Rosenwässer wohlgebrennt
Mir Thränen überfliessen. 20
O keusche Lieb, Cupido rein,
Allda dein Hitz erkühle,
Da dunk dein heisse Flüttig ein,
Dass dich so stark nit fühle.
Zu scharf ist mir dein heisser Brand, 25
Zu schnell seind deine Flügel;
Drumb nur aus Thränen mit Verstand
Dir flechte Zaum und Zügel.
Komm nit zu streng, mich nit verseng,
Nit brenn mich gar zu Kohlen, 30
Dich weisen lass, halt Ziel und Mass,
Dich brauch der linden Strohlen.
O Arm und Hände Jesu weiss,
Ihr Schwesterlein der Schwanen,
Umbfasset mich nit lind noch leis, 35
Darf euch der Griff ermahnen.
Stark heftet mich an seine Brust
Und satt mich lasset weinen:
Ich ihn erweich, ist mir bewusst,
Und wär das Herz von Steinen. 40
O Jesu mein, du schöner Held,
Lang warten macht verdriessen:
Gross Lieb mir nach dem Leben stellt,
Wann soll ich dein geniessen?
O süsse Brust! O Freud und Lust! 45
Hast endlich mich gezogen:
O miltes Herz! All Pein und Schmerz
Ist nun in Wind geflogen.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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