Allhie nun will ich rasten lind,
Auf Jesu Brust gebunden: 50
Allhie mich mag Cupido blind
Bis gar zu Tod verwunden.
Am Herzen Jesu sterben hin
Ist nur in Lusten leben,
Ist nur verlieren mit Gewinn, 55
Ist tot im Leben schweben.
+2+
+Anders Liebgesang der Gespons Jesu, darin eine Nachtigall mit der Echo
oder Wiederschall spielet.+
Ach, wann doch Jesu, liebster mein,
Wann wirst dich mein erbarmen?
Wann wieder zu mir kehren ein,
Wann fassen mich in Armen?
Was birgest dich, 5
Was kränkest mich?
Wann werd ich dich umfangen?
Wann reissest ein
All meine Pein?
Wann schlichtest mein Verlangen? 10
O willkomm, süsse Nachtigall,
Kombst gleich zu rechter Stunde!
Erfrisch den Luft mit bestem Schall,
Erschöpf die Kunst von Grunde;
Ruf meinem Lieb, 15
Er nit verschieb,
“O Jesu!” ruf mit Kräften,
Ruf tausend mal,
Ruf ohne Zahl,
Wer weiss, es je möcht heften![1] 20
Ach, ruf und ruf, o Schwester zart,
Mein Jesum zu mir lade,
Mir treulich hilf zu dieser Fahrt,
Dann ich in Zähren bade.
O Schwester mein, 25
Sing süss und rein,
Ruf meinem Schatz mit Namen;
Dann kurz, dann lang
Zieh deinen Klang,
All Noten greif zusammen! 30
Wohlan, scheint, mich verstanden hat
Die Meisterin in Wälden;
Ihrs allbereit geht wohl von Statt,
Die Färblein schon sich melden.
In starker Zahl, 35
Nun manches Mal
Den Ton sie schon erhebet,
Weil auch der Schall
Aus grünem Thal
Ihr deutlich widerstrebet.[2] 40
Da recht, du fromme Nachtigall,
Du jenem Schall nit weiche!
Da recht, du treuer Wiederschall,
Du stets dich ihr vergleiche!
Zur schönen Wett 45
Nun beide trett,
Mein Jesum lasst erklingen,
Obschon im Streit
Der schwächsten Seit
Am Leben sollt misslingen. 50
Die Nachtigall den Schall nit kennt
Und hälts für ihr Gespielin,
Verwundert sich, wies mög behend
So gleichen Ton erzielen;
Bleibt wenig stumm, 55
Schlägt wiederumb,
Denkt ihr bald obzusiegen;
Doch Widerpart
Machts gleicher Art,
Kein Pünktlein bleibt verschwiegen. 60
Bald steiget auf die Nachtigall
Je mehr und mehr und mehre;
Gleich folget auch der Wiederschall,
Wanns je noch höher wäre.
Drumb zierlich fecht 65
Und stärker schlegt
Das Fräulein reich von Stimmen,
Steigt auf und auf
Ganz ohn Verschnauf;
Doch thuts der Schall erklimmen. 70
Alsdann gehts über Ziel und Schnur,
Das Herz möcht sich zerspalten,
Sie sucht es in B Moll, B Dur,
Auf allerhand Gestalten,
Thut hundertfalt 75
Den Bäss und Alt,
Tenor und Cant durchstreichen;
Doch Stimm doch Kunst
Ist gar umbsonst,
Der Schall thuts auch erreichen. 80
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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