Zuneigung, ihm belieben lasse, ja mehrmahls selbst erkieset habe. Über
dem Eingange nun dieser ebenfals für andern erwehlten Höle waren
nachfolgende Reimen in einen lebendigen Steinfels gegraben, iedoch gar
schwer zu lesen; weil sie nicht allein mit denen vom Tuisco erfundenen
Buchstaben geschrieben, sondern auch vom Regen abgewaschen und vom Mooss
verstellet waren:
Ihr Eiteln, weicht von hier! der Anfang aller Dinge,
Der eh als dieser Fels und dieser Brunnquell war,
Hat hier sein Heiligthum, sein Wohnhaus, sein Altar;
Der will, dass man ihm nur zum Opfer Andacht bringe.
Die ist das Eigenthum der Menschen. Weyrauch, Blut, 5
Gold, Weitzen, Oel, und Vieh ist sein selbsteigen Gut.
Die Opfer, die ihr ihm auf tausend Tischen schlachtet,
Die machen ihn nicht feist, und keine Gabe reich.
Ihr selbst genüsset es, wenn ihr den Schöpfer gleich
Durch eure Erstlingen hier zu beschencken trachtet. 10
Euch scheint der Fackeln Licht, ihr rücht des Zimmets Brand;
Ja, was ihr gebt, bleibt euch mit Wucher in der Hand.
Gott heischt diss zwar, doch nicht aus lüsterner Begierde.
Denn was ergeitzt das Meer ihm an der armen Flut
Des Thaues? welcher Stern wünscht ihm der Würmer Glut, 15
Die bey den Nachten scheint, und der Rubinen Zierde?
Ihr weiht Gott nur das Hertz zum Zeichen euer Pflicht;
Euch selbst zu eurem Nutz, ihm zur Vergnügung nicht.
Ja auch die Andacht Selbst weiss Gott nichts zuzufrömen;
Denn eignet sie uns zu gleich seine Gnad und Heil, 20
So hat sein Wohlstand doch nicht an dem unsern Theil,
Wie unsre Freude rinnt aus seinen Wohlthats-Strömen.
Hingegen wie kein Dunst versehrt der Sonnen Licht,
So verunehrt auch ihn kein Aberglaube nicht.
Der Lästerer ihr Fluch thut ihm geringern Schaden, 25
Als wenn ein toller Hund den vollen Mond anbillt.
Es rühmt als Richter ihn, was in der Hölle brüllt;
Wie’s Lob der Seligen preist seine Vater-Gnaden.
Den grossen Gott bewehrt die Kohle, die dort glüht,
So wohl als die, die man wie Sterne gläntzen sieht. 30
So ist’s nun Übermaass, unsäglich grosse Gütte,
Dass Gott die Betenden hier würdigt zu erhörn.
Weicht, Eitele! um nicht diss Heil’ ge zu versehrn!
Denn dass Gott in diss Thal nur einen Blick ausschütte,
Ist gröss’re Gnad, als wenn das Auge dieser Welt 35
Den schlechtsten Sonnen-Staub mit seinem Glantz erhält.
[Notes:
1: _Gottheit_, subject of _erleuchtet und herrlich macht_
understood.]
+LIX. HANS JAKOB CHRISTOFFEL VON GRIMMELSHAUSEN+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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