A trenchant satirist and the father of German literary criticism
(1665-1729). He was by birth a Silesian and in his early years an
admirer of Hofmannswaldau and Lohenstein. Later he turned against them
and against the whole tribe of insincere occasional rimesters, who were
bringing the poetic art into contempt. His lyric poems are of small
account, but his satires are vigorous and illuminative. The text follows
Fulda’s edition in Kürschner’s _Nationalliteratur_, Vol. 39.
+Auf unverständige Poeten.+
Lass doch, Lysander, ab, mit Reimen dich zu plagen
Und einer Bettelkunst halb rasend nachzujagen,
Die zwar die Phantasei durch süsse Träume rührt,
Dich aber auf den Weg der Hungerwiesen führt
Und endlich, wo du dich lässt ihre Grillen treiben, 5
Mit Meistersängern wird in eine Rolle schreiben.
Die eben ist das Gift, das wie die Missethat
Gleich mit der Muttermilch mir ins Geblüte trat.
Wie glücklich wär’ ich doch, wenn mich zu rechter Stunden
Ein kluger Arzt davon durch Kräutersaft entbunden 10
Und alles, was ich nur von Versen angeblickt,
Durch hebend Antimon hätt’ in die Luft geschickt;
So dürft’ ich nicht wie jetzt in Kummerwinckeln sitzen,
Und bei geborgter Lust von langen Sorgen schwitzen,
So hätt’ ich auch vielleicht den Wuchergriff erlernt, 15
Wie man durch Ränke sich von der Vernunft entfernt,
Den Trieb der Redlichkeit mit Silberzäumen lenket,
Den Geist der Gottesfurcht in klugen Schlaf versenket,
Ein reiches Lasterweib zu seinem Willen beugt,
Durch höflichen Betrug auf Ehrenbänke steigt 20
Und endlich, wenn die Kraft der Jugend uns verlassen,
Bei voller Tafel kann von fremdem Gute prassen.
So hab’ ich manchen Tag und manche Nacht verreimt
Und oft ein grosses Lied von Zwergen hergeträumt,
Verliebten ihre Lust in Zucker zugemessen, 25
Betrüger reich gemacht, mich aber gar vergessen;
Und ob mich endlich gleich mit der verjährten Zeit
Ein kurzer Sonnenblick bei Hofe noch erfreut
Und Preussens Salomo,[1] den ich mit Recht gepriesen,
Mir zu der Ehrenburg den Vorhof angewiesen, 30
Ward doch durch seinen Tod, der alles umgekehrt,
Mein Glück und auch zugleich mein ganzer Ruhm verzehrt
Nun lacht die Wucherschar bei ihren Judengriffen,
Dass ich der Tugend Lob auf Hoffnung hergepfiffen,
Die Zungendrescherei den Musen nachgesetzt, 35
Und wahre Weisheit mehr als Geld und Gut geschätzt,
Und dass ich, da der Hof zum Laufen mich gezwungen,
Nicht noch zu rechter Zeit in Schulenstaub gesprungen,
Die matte Dürftigkeit in Mäntel eingehüllt,
Mit leerer Wissenschaft die Jugend angefüllt, 40
Die Kinder gegen Lohn den Toten[2] vorgetrieben
Und wöchentlich ein Lied für Thaler hingeschrieben.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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