Ich höre die Vögel, ich sehe die Wälder,
Ich fühle das Spielen der kühlenden Luft,
Ich rieche der Blüte balsamischen Duft,
Ich schmecke die Früchte. Die fruchtbaren Felder,
Die glänzenden Wiesen, das funkelnde Nass 5
Der tauichten Tropfen, das wallende Gras
Voll lieblicher Blumen, das sanfte Gezische
Der mancherlei lieblich beblätterten Büsche,
Das murmelnde Rauschen der rieselnden Flut,
Der zitternde Schimmer der silbernen Fläche 10
Durch grünende Felder sich schlängender Bäche,
Der flammenden Sonne belebende Glut,
Die alles verherrlichet, wärmet und schmücket,
Dies alles ergetzet, erquicket, entzücket
Ein Auge, das Gott in Geschöpfen ersieht, 15
Ein Ohr, das den Schöpfer verstehet und höret,
Ein Herze, das Gott in den Wundern verehret,
Kein viehisch, nur einzig ein menschlich Gemüt.
+2+
+Die Nachtigall und derselben Wettstreit gegen einander.+
Im Frühling rührte mir das Innerste der Seelen
Der Büsche Königin, die holde Nachtigall,
Die aus so enger Brust und mit so kleiner Kehlen
Die grössten Wälder füllt durch ihren Wunderschall.
Derselben Fertigkeit, die Kunst, der Fleiss, die Stärke, 5
Verändrung, Stimm’ und Ton sind lauter Wunderwerke
Der wirkenden Natur, die solchen starken Klang
In ein paar Federchen, die kaum zu sehen, senket
Und einen das Gehör bezaubernden Gesang
In solche dünne Haut und zarten Schnabel schränket. 10
Ihr Hälschen ist am Ton so unerschöpflich reich,
Dass sie tief, hoch, gelind und stark auf einmal singet.
Die kleine Gurgel lockt und zischt und pfeift zugleich,
Dass sie wie Quellen rauscht, wie tausend Glocken klinget.
Sie zwitschert, stimmt und schlägt mit solcher Anmut an, 15
Mit solchem nach der Kunst gekräuselten Geschwirre,
Dass man darob erstaunt und nicht begreifen kann,
Ob sie nicht seufzend lach’, ob sie nicht lachend girre.
Ihr Stimmchen ziehet sich in einer hohlen Länge
Von unten in die Höh’, fällt, steigt aufs neu empor, 20
Und schwebt nach Mass und Zeit; bald drängt sich eine Menge
Verschiedner Tön’ aus ihr als wie ein Strom hervor.
Sie dreht und dehnt den Ton, zerreisst und fügt ihn wieder,
Singt sanft, singt ungestüm, bald klar, bald grob, bald hell.
Kein Pfeil verfliegt so rasch, kein Blitz verstreicht so schnell, 25
Die Winde können nicht so streng im Stürmen wehen,
Als ihre schmeichelnde verwunderliche Lieder
Mit wirbelndem Geräusch sich ändern, sich verdrehen.
Ein flötend Glucken quillt aus ihrer hohlen Brust,
Ein murmelnd Pfeifen labt der stillen Hörer Herzen; 30
Doch dies verdoppelt noch und mehrt die frohe Lust,
Wenn etwan ihrer zwo zugleich zusammen scherzen.
Die singt, wenn jene ruft; wann diese lockt, singt jene
Mit solch anmutigem bezaubernden Getöne,
Dass diese wiederum aus Missgunst, als ergrimmt, 35
In einen andern Ton die schlanke Zunge stimmt.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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