Denn hier, wo die Natur allein Gesetze giebet,
Umschliesst kein harter Zwang der Liebe holdes Reich.
Was liebenswürdig ist, wird ohne Scheu geliebet,
Verdienst macht alles werth und Liebe macht es gleich.
Die Anmuth wird hier auch in Armen schön gefunden, 125
Man wiegt die Gunst hier nicht für schwere Kisten hin,
Die Ehrsucht theilet nie, was Werth und Huld verbunden,
Die Staatssucht macht sich nicht zur Unglücks-Kupplerin:
Die Liebe brennt hier frei und scheut kein Donnerwetter,
Man liebet für sich selbst und nicht für seine Väter. 130
So bald ein junger Hirt die sanfte Glut empfunden,
Die leicht ein schmachtend Aug in muntern Geistern schürt,
So wird des Schäfers Mund von keiner Furcht gebunden,
Ein ungeheuchelt Wort bekennet, was ihn rührt;
Sie hört ihn und, verdient sein Brand ihr Herz zum Lohne, 135
So sagt sie, was sie fühlt, und thut, wornach sie strebt;
Dann zarte Regung dient den Schönen nicht zum Hohne,
Die aus der Anmuth fliesst und durch die Tugend lebt.
Verzüge falscher Zucht, der wahren Keuschheit Affen,
Der Hochmuth hat euch nur zu unsser Qual geschaffen! 140
[Notes:
1: _Tunkins Nest_, the edible birds’-nests of Tonkin, as a type of
imported luxury.
2: _Scheinbarer_ = _glänzender_.
3: _Errinnt_ = _geht auf_.
4: _Schwirrend_ = _klirrend_, ‘clanking,’ or possibly with
reference to the ‘whizzing’ of iron missiles.]
+LXVI. EWALD VON KLEIST+
A Prussian soldier-poet (1715-1759) who fell at the battle of
Kunersdorf. His temperament and the circumstances of his early life
disposed him to melancholy; so that he readily came under the spell of
Haller, Thomson, and the other poets who extolled nature and the simple
life as a refuge from the badness of civilization. His best known
production is the fragment called _Spring_ (1749), in which fine
passages of personal feeling are interwoven with detailed descriptions
that are sometimes a little tedious. The text follows Muncker’s edition
in Kürschner’s _Nationalliteratur_, Vol. 45.
+1+
+Das Landleben.+
O Freund,[1] wie selig ist der Mann zu preisen,
Dem kein Getümmel, dem kein schwirrend Eisen,
Kein Schiff, das Beute, Mast und Bahn verlieret,
Den Schlaf entführet!
Der nicht die Ruhe darf in Berge senken, 5
Der fern von Purpur, fern von Wechselbänken,
In eignen Schatten, durch den West gekühlet,
Sein Leben fühlet.
Er lacht der Schlösser, von Geschütz bewachet,
Verhöhnt den Kummer, der an Höfen lachet, 10
Verhöhnt des Geizes in verschlossnen Mauren
Törichtes Trauren.
Sobald Aurora, wenn der Himmel grauet,
Dem Meer entsteigend, lieblich abwärts schauet,
Flieht er sein Lager, ohn’ verzärtelt Schmücken, 15
Mit gleichen Blicken.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
Reviews
Reviews
No reviews yet
Be the first to share your thoughts on this work.
Elsewhere in the archive
Join the Discussion
Join the discussion
Sign in to leave a comment or review.
Sign InorCreate an account