Zu eitel ist das Lob der Freunde:
Uns drohen in der Nachwelt Feinde, 20
Die finden unsre Grösse klein.
Den itzt an Liedern reichen Zeiten
Empfehl’ ich diese Kleinigkeiten:
Sie wollen nicht unsterblich sein.
+2+
+Die verliebte Verzweiflung.+
Gewiss, der ist beklagenswerth,
Den seine Göttin nicht erhört,
Dem alle Seufzer nichts erwerben.
Er muss fast immer schlaflos sein
Und weinen, girren, winseln, schrein, 5
Sich martern und dann sterben.
“Grausame Laura,” rief Pedrill,
“Grausame, die mein Unglück, will,
Für dich muss ich noch heut erblassen.”
Stracks rennet er in vollem Lauf 10
Bis an des Hauses Dach hinauf
Und guckt dort in die Gassen.
Bald, als er Essen sah und roch,
Befragt’ er sich: “Wie! leb’ ich noch?”
Und zog ein Messer aus der Scheiden. 15
“O Liebe,” sagt er, “deiner Wut
Weih’ ich den Mordstahl und mein Blut,”--
Und fing an Brot zu schneiden.
Nach glücklich eingenomm’nem Mahl
Erwägt er seine Liebesqual 20
Und will nunmehr durch Gift erbleichen.
Er öffnet eine Flasche Wein
Und lässt, des Giftes voll zu sein,
Sich noch die zweite reichen.
Hernach verflucht er sein Geschick 25
Und holet Schemel, Nagel, Strick,
Und schwört, nun soll die That geschehen.
Doch ach! was kann betrübter sein?
Der Strick ist schwach, der Nagel klein,
Der Schemel will nicht stehen. 30
Er wählt noch eine Todesart
Und denkt: “Wer sich ersticht, der spart
Und darf für Gift und Strick nicht sorgen.”
Drauf gähnt er, seufzet, eilt zur Ruh,
Kriecht in sein Bett und deckt sich zu 35
Und schläft bis an den Morgen.
+3+
+An die Freude.+
Freude, Göttin edler Herzen,
Höre mich!
Lass die Lieder, die hier schallen,
Dich vergrössern, dir gefallen;
Was hier tönet, tönt durch dich. 5
Muntre Schwester süsser Liebe!
Himmelskind!
Kraft der Seelen! Halbes Leben!
Ach! was kann das Glück uns geben,
Wenn man dich nicht auch gewinnt? 10
Stumme Hüter toter Schätze
Sind nur reich.
Dem, der keinen Schatz bewachet,
Sinnreich scherzt und singt und lachet,
Ist kein karger König gleich. 15
Gieb den Kennern, die dich ehren,
Neuen Mut,
Neuen Scherz den regen Zungen,
Neue Fertigkeit den Jungen,
Und den Alten neues Blut. 20
Du erheiterst, holde Freude!
Die Vernunft.
Flieh auf ewig die Gesichter
Aller finstern Splitterrichter
Und die ganze Heuchlerzunft. 25
+4+
+Das Hühnchen und der Diamant.+
Ein verhungert Hühnchen fand
Einen feinen Diamant
Und verscharrt ihn in den Sand.
“Möchte doch, mich zu erfreun,”
Sprach es, “dieser schöne Stein
Nur ein Weizenkörnchen sein!”
Unglückselger Überfluss,
Wo der nötigste Genuss
Unsern Schätzen fehlen muss!
+5+
+Johann, der Seifensieder.+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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