Der Sämann schreitet gemessen, giesst gleichsam trockenen Regen 75
Von Samen hinter ihm her. --O, dass der mühsame Landwirt
Für sich den Segen nur streute! Dass ihn die Weinstöcke tränkten
Und in den Wiesen für ihn nur bunte Wogen sich wältzten!
Allein der frässige Krieg, vom zähnebleckenden Hunger
Und wilden Scharen begleitet, verheert oft Arbeit und Hoffnung. 80
Er stürmet rasend einher, zertritt die nährenden Halmen,
Reisst Stab und Reben zu Boden, entzündet Dörfer und Wälder
Für sich zum flammenden Lustspiel. Wie wenn der Rachen des Ätna
Mit ängstlich-wildem Geschrei, dass Meer und Klippen es hören,
Die Gegend um sich herum, vom untern Donner zerrüttet, 85
Mit Schrecken und Tod überspeit und einer flammenden Sündflut.
Ihr, denen zwanglose Völker das Steuer der Herrschaft vertrauen,
Führt ihr durch Flammen und Blut sie zur Glückseligkeit Hafen?
Was wünscht ihr, Väter der Menschen,
noch mehrere Kinder? Ist’s wenig,
Viel Millionen beglücken? Erfordert’s wenige Mühe? 90
O mehrt derjenigen Heil, die eure Fittiche suchen.
Deckt sie gleich brütenden Adlern,
verwandelt die Schwerter in Sicheln,
Lasst güldne Wogen im Meer,
fürs Land, durch Schiffahrt sich türmen,
Erhebt die Weisheit im Kittel und trocknet die Zähren der Tugend!
Wohin verführt mich der Schmerz?
Weicht, weicht, ihr traurigen Bilder! 95
Komm, Muse, lass uns die Wohnung
und häusliche Wirtschaft des Landmanns
Und Viehsucht und Gärte betrachten!
[Notes:
1: The verses were addressed to Karl Wilhelm Ramier.
2: _Lange_; Samuel Gotthold Lange, a friend of Kleist’s.]
+LXVII. FRIEDRICH VON HAGEDORN+
A pleasing and popular, but not profound, North German poet of the
Gottschedian era (1708-1754). He lived in Hamburg, where he held a
comfortable position in a commercial house. His writings consist of
songs, odes, fables, epigrams, poetic tales, etc., which reflect
an easy-going temperament and commend the _carpe diem_ philosophy
of Horace. The text of the selections follows Kürschner’s
_Nationalliteratur_, Vol. 45.
+1+
+An die Dichtkunst.+
Gespielin meiner Nebenstunden,
Bei der ein Teil der Zeit verschwunden,
Die mir, nicht andern, zugehört:
O Dichtkunst, die das Leben lindert!
Wie manchen Gram hast du vermindert, 5
Wie manche Fröhlichkeit vermehrt!
Die Kraft der Helden Trefflichkeiten
Mit tapfern Worten auszubreiten,
Verdankt Homer und Maro dir.
Die Fähigkeit, von hohen Dingen 10
Den Ewigkeiten vorzusingen,
Verliehst du ihnen und nicht mir.
Die Lust, vom Wahn mich zu entfernen,
Und deinem Flaccus abzulernen,
Wie man durch echten Witz gefällt; 15
Die Lust, den Alten nachzustreben,
Ist mir im Zorn von dir gegeben,
Wenn nicht mein Wunsch das Ziel erhält.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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