Er nur folgt’ ihm dahin bis an die Gräber der Seher,
Wie sein göttlicher Freund, die Nacht in Gebete zu bleiben.
Und der Mittler erhub sich von dort zu dem Gipfel des Berges. 50
Da umgab von dem hohen Moria ihn Schimmer der Opfer,
Die den ewigen Vater noch jetzt in Bilde versöhnten.
Ringsum nahmen ihn Palmen in’s Kühle. Gelindere Lüfte,
Gleich dem Säuseln[2] der Gegenwart Gottes,
umflossen sein Antlitz
Und der Seraph, der Jesus zum Dienst auf der Erde gesandt war, 55
Gabriel, nennen die Himmlischen ihn, stand feirend am Eingang
Zwoer umdufteter Cedern, und dachte dem Heile der Menschen,
Und dem Triumphe der Ewigkeit nach, als jetzt der Erlöser
Seinem Vater entgegen vor ihm in Stillem vorbeiging.
Gabriel wusste, dass nun die Zeit der Erlösung herankam. 60
Diese Betrachtung entzückt’ ihn, er sprach mit leiserer Stimme:
Willst du die Nacht, o Göttlicher, hier in Gebete durchwachen?
Oder verlangt dein ermüdeter Leib nach seiner Erquickung?
Soll ich zu deinem unsterblichen Haupt ein Lager bereiten?
Siehe, schon streckt der Sprössling
der Ceder den grünenden Arm aus, 65
Und die weiche Staude des Balsams. Am Grabe der Seher
Wächst dort unten ruhiges Moos in der kühlenden Erde.
Soll ich davon, o Göttlicher, dir ein Lager bereiten?
Ach, wie bist du, Erlöser, ermüdet! Wie viel erträgst du
Hier auf der Erd’, aus inniger Liebe zu Adams Geschlechte! 70
Gabriel sagt’s. Der Mittler belohnt ihn mit segnenden Blicken,
Steht voll Ernst auf der Höhe des Bergs am näheren Himmel.
Dort war Gott. Dort betet’ er. Unter ihm tönte die Erde,
Und ein wandelndes[3] Jauchzen
durchdrang die Pforten des Abgrunds,[4]
Als sie von ihm tief unten die mächtige Stimme vernahmen. 75
Denn sie war es nicht mehr des Fluches Stimme, die Stimme
Angekündet in Sturm, und in donnerndem Wetter gesprochen,
Welche die Erde vernahm. Sie hörte des Segnenden Rede,
Der mit unsterblicher Schöne sie einst zu verneuen beschlossen.
Ringsum lagen die Hügel in lieblicher Abenddämmerung, 80
Gleich als blühten sie wieder, nach Edens Bilde geschaffen.
Jesus redete. Er, und der Vater durchschauten den Inhalt
Gränzlos: diess nur vermag des Menschen Stimme zu sagen:
Göttlicher Vater, die Tage des Heils, und des ewigen Bundes
Nahen sich mir, die Tage zu grösseren Werken erkoren, 85
Als die Schöpfung, die du mit deinem Sohne vollbrachtest.
Sie verklären sich mir so schön und herrlich, als damals,
Da wir der Zeiten Reih’ durchschauten, die Tage der Zukunft,
Durch mein göttliches Schaun, bezeichnet, und glänzender sahen.
Dir nur ist es bekannt, mit was vor Einmut wir damals, 90
Du, mein Vater, und ich und der Geist die Erlösung beschlossen.
In der Stille der Ewigkeit, einsam und ohne Geschöpfe,
Waren wir bei einander. Voll unsrer göttlichen Liebe,
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