Sahen wir auf die Menschen, die noch nicht waren, herunter.
Edens selige Kinder, ach unsre Geschöpfe, wie elend 95
Waren sie, sonst unsterblich,
nun Staub und entstellt von der Sünde!
Vater, ich sah ihr Elend, du meine Tränen. Da sprachst du:
Lasset der Gottheit Bild in dem Menschen von neuem uns schaffen!
Also beschlossen wir unser Geheimnis, das Blut der Versöhnung,
Und die Schöpfung der Menschen verneut zu dem ewigen Bilde! 100
Hier erkor ich mich selbst, die göttliche Tat zu vollenden.
Ewiger Vater, das weisst du, das wissen die Himmel, wie innig
Mich seit diesem Entschluss nach meiner Erniedrung verlangte!
Erde, wie oft warst du, in deiner niedrigen Ferne,
Mein erwähltes, geliebteres Augenmerk! Und o Kanan, 105
Heiliges Land, wie oft hing unverwendet mein Auge
An dem Hügel, den ich von des Bundes Blute schon voll sah!
Und wie bebt mir mein Herz von süssen, wallenden Freuden,
Dass ich so lange schon Mensch bin, dass schon so viele Gerechte
Sich mir sammeln, und nun bald alle Geschlechte der Menschen 110
Mir sich heiligen werden! Hier lieg’ ich, göttlicher Vater,
Noch nach deinem Bilde geschmückt mit den Zügen der Menschheit,
Betend vor dir: bald aber,
ach bald wird dein tötend Gericht mich
Blutig entstellen, und unter den Staub der Toten begraben.
Schon, o Richter der Welt, schon hör’ ich fern dich, und einsam 115
Kommen und unerbittlich in deinen Himmeln dahergehn.
Schon durchdringt mich ein Schauer dem ganzen Geistergeschlechte
Unempfindbar, und wenn du sie auch mit dem Zorne der Gottheit
Tötetest, unempfindbar! Ich seh’ den nächtlichen Garten
Schon vor mir liegen, sinke vor dir in niedrigen Staub hin, 120
Lieg’, und bet’, und winde mich, Vater, in Todesschweisse.
Siehe, da bin ich, mein Vater. Ich will des Allmächtigen Zürnen,
Deine Gerichte will ich mit tiefem Gehorsam ertragen.
Du bist ewig! Kein endlicher Geist hat das Zürnen der Gottheit,
Keiner je, den Unendlichen tötend mit ewigem Tode, 125
Ganz gedacht, und keiner empfunden. Gott nur vermochte
Gott zu versöhnen. Erhebe dich, Richter der Welt! Hier bin ich!
Töte mich, nimm mein ewiges Opfer zu deiner Versöhnung.
Noch bin ich frei,
noch kann ich dich bitten; so tut sich der Himmel
Mit Myriaden von Seraphim auf, und führet mich jauchzend, 130
Vater, zurück in Triumph zu deinem erhabenen Trone!
Aber ich will leiden, was keine Seraphim fassen,
Was kein denkender Cherub in tiefen Betrachtungen einsieht;
Ich will leiden, den furchtbarsten Tod ich Ewiger leiden.
Weiter sagt’ er, und sprach:
Ich hebe gen Himmel mein Haupt auf, 135
Meine Hand in die Wolken, und schwöre bei dir und mir selber,
Der ich Gott bin, wie du: Ich will die Menschen erlösen.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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