Fröhlich glaub’ ich mich befreiet,
Als er schnell sein Drohn erneuet.
Narre, für dein Gläschen Wein
Denkst du, spricht er, los zu sein? 20
Tod, bat ich, ich möcht’ auf Erden
Gern ein Mediziner werden.
Lass mich! ich verspreche dir
Meine Kranken halb dafür.
Gut, wenn das ist, magst du leben, 25
Ruft er. Nur sei mir ergeben!
Lebe, bis du satt geküsst
Und des Trinkens müde bist.
O, wie schön klingt dies den Ohren!
Tod, du hast mich neu geboren. 30
Dieses Glas voll Rebensaft,
Tod, auf gute Brüderschaft!
Ewig muss ich also leben,
Ewig! denn, beim Gott der Reben!
Ewig soll mich Lieb’ und Wein, 35
Ewig Wein und Lieb’ erfreun!
3
_From ‘Miss Sara Sampson’: Act II, Scene 7._
MELLEFONT. MARWOOD.[1]
MARWOOD. Nun sind wir allein. Nun sagen Sie es noch einmal, ob Sie fest
entschlossen sind, mich einer jungen Närrin aufzuopfern?
MELLEFONT (_bitter_). Aufzuopfern? Sie machen, dass ich mich hier
erinnere, dass den alten Göttern auch sehr unreine Tiere geopfert
wurden.
MARWOOD (_spöttisch_). Drücken Sie sich ohne so gelehrte Anspielungen
aus.
MELLEFONT. So sage ich Ihnen, dass ich fest entschlossen bin, nie wieder
ohne die schrecklichsten Verwünschungen an Sie zu denken. Wer sind Sie?
Und wer ist Sara? Sie sind eine wollüstige, eigennützige, schändliche
Buhlerin, die sich jetzt kaum mehr muss erinnern können, einmal
unschuldig gewesen zu sein. Ich habe mir mit Ihnen nichts vorzuwerfen,
als dass ich dasjenige genossen, was Sie ohne mich vielleicht die ganze
Welt hätten geniessen lassen. Sie haben mich gesucht, nicht ich Sie; und
wenn ich nunmehr weiss, wer Marwood ist, so kömmt mir diese Kenntnis
teuer genug zu stehen. Sie kostet mir mein Vermögen, meine Ehre, mein
Glück--
MARWOOD. Und so wollte ich, dass sie dir auch deine Seligkeit kosten
müsste! Ungeheuer! Ist der Teufel ärger als du, der schwache Menschen zu
Verbrechen reizet und sie dieser Verbrechen wegen, die sein Werk sind,
hernach selbst anklagt? Was geht dich meine Unschuld an, wann und wie
ich sie verloren habe? Habe ich dir meine Tugend nicht preisgeben
können, so habe ich doch meinen guten Namen für dich in die Schanze
geschlagen. Jene ist nichts kostbarer als dieser. Was sage ich?
Kostbarer? Sie ist ohne ihn ein albernes Hirngespinnst, das weder ruhig
noch glücklich macht. Er allein gibt ihr noch einigen Wert und kann
volkommen ohne sie bestehen. Mochte ich doch sein, wer ich wollte, ehe
ich dich, Scheusal, kennen lernte; genug, dass ich in den Augen der Welt
für ein Frauenzimmer ohne Tadel galt. Durch dich nur hat sie es
erfahren, dass ich es nicht sei; durch meine Bereitwilligkeit bloss,
dein Herz, wie ich damals glaubte, ohne deine Hand anzunehmen.
MELLEFONT. Eben diese Bereitwilligkeit verdammt dich, Niederträchtige.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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