GUIDO. Siehe, du hoffest auf seinen Tod, kannst du das leugnen? Glaubst
du, dass ich es nicht sehe, dass du alsdenn das Mädchen aus dem Kloster
entführen willst? --Es ist wahr, alsdann bist du Fürst von Tarent, und
ich bin nichts--als ein Mann. --Aber dein zartes Gehirnchen könnte
zerreissen, wenn du das alles lebhaft dächtest, was ein Mann kann.
--Gott sei Dank, es gibt Schwerter, und ich hab’ einen Arm, der noch
allenfalls ein Mädchen aus den weichen Armen eines Zärtlings reissen
kann! Ruhig sollst du sie nicht besitzen, ich will einen Bund mit dem
Geiste unsers Vaters machen, der an deinem Bette winseln wird.
JULIUS. Ich mag so wenig als unser Vater von dir im Affekt hören, was du
tun willst. (_Ab._)
[Notes:
2: Published in 1776--the same year with Klinger’s _Die
Zwillinge_, which also deals with fratricide. Julius, the crown
prince, is a studious and romantic dreamer; Guido, a young
hotspur. Their father has just been imploring them to end their
futile quarrel over the girl Blanca, who has been sent to a
nunnery. --_Julius of Tarentum_ is by far the most important work
of its author, Johann Anton Leisewitz (1752-1806).]
3
_From Maler Müller’s ‘Golo and Genevieve,’ Act 3, Scene 4._[3]
GOLO (_hervor_). Wie unruhig die Nacht! Hat mich der schönste Stern
hervorgezischt? Oder war sie es selbst, die jetzt ebenso liebeunruhig im
Grünen irret wie ein angeschossen Reh, meiner heissen Sehnsucht zu
begegnen? Wie entglommen mein Herz! O Mathilde, du sagtest mir nicht
alles; ich bin wohl glücklicher als ich es selbst gewusst.
Ach, süsses Glück der Liebe,
Wer dich nicht kost,
Des Lebens Freude kennt er nicht,
Des Lebens besten Schatz.
Still! Was hör’ ich droben am Fenster? Sie selbst, o Himmel! (_Zieht
sich in die Grotte._)
GENOVEVA (_oben auf dem Altan_). Die du alles bedeckst, Nacht, bedecke
auch meinen Gram, süsse, liebe, heitere Nacht! Ich bin schon wieder
froh. Was trauere ich denn auch? Was hat mein Herz verbrochen?
(_Singt._)
Viel lieber wollt’ nicht leben
Als mich dem Gram ergeben;
Der Gram das Leben frisst.
Was nur der Waldbruder meinte? Sollte es möglich sein, grosser Gott,
möglich? Golo ein Verräter an mir, an Siegfried, der ihn so brüderlich
liebt? Und warum sollt’ er’s sein? Worin? (_Singt._)
Aufs sichere Nest kein Vogel geht,
Auch Sturm es manchmal rüttelt;
Kein Baum im freien Walde weht,
Den Winters Gewalt nicht schüttelt.
Was auf der Erde lebt und steht;
Wechselt immer Schmerz und Wonne;
Der Winter wohl nach Sommer geht,
Nach Regen lacht die Sonne.
Also packt euch, ihr Grillen, wohin ihr wollt; ich mag nicht länger mit
euch zu schaffen haben. Wie angenehm der falbe Mondglanz zwischen den
Bäumen dort unten! Ich will auch hinunter, mich noch ein Weilchen
erlaben, jetzt, da ich allein bin. Das will ich. (_Ab._)
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
Reviews
Reviews
No reviews yet
Be the first to share your thoughts on this work.
Elsewhere in the archive
Join the Discussion
Join the discussion
Sign in to leave a comment or review.
Sign InorCreate an account