GUIDO. Du willst nicht? so kann ich auch nicht. Aber von nun an bin ich
unschuldig an diesen väterlichen Tränen, ich schwör’ es, ich bin
unschuldig. Auch ich bekäme meinen Anteil davon, sagt’ er. --Siehe, ich
wälze ihn hiemit auf dich. Dein ist die ganze Erbschaft von Tränen und
Flüchen!
JULIUS. Du bist ungerecht,--glaubst du denn, dass sich eine Leidenschaft
so leicht ablegen lasse, wie eine Grille, und dass man die Liebe an- und
ausziehen könne, wie einen Harnisch? --Ob ich will--ob ich will--wer
liebt, will lieben und weiter nichts. --Liebe ist die grosse Feder in
dieser Maschine; und hast du je eine so widersinnig künstliche Maschine
gesehen, die selbst ein Rad treibt, um sich zu zerstören, und doch noch
eine Maschine bleibt?
GUIDO. Ungemein fein, ungemein gründlich--aber unser armer Vater wird
sterben!
JULIUS. Wenn das geschieht, so bist du sein Mörder! --Deine Eifersucht
wird ihn töten, und hast du nicht eben gesagt, du könntest deine
Ansprüche aufgeben, wenn du wolltest--heisst das nicht gestehen, dass du
sie nicht liebst, und doch bleibst du halsstarrig? Dein Aufgeben wär’
nicht Tugend gewesen, aber dein Beharren ist Laster!
GUIDO. Bravo! Bravo! Das war unerwartet.
JULIUS. Und was meinst du denn?
GUIDO. Ich will mich erst ausfreuen, dass die Weisheit eben so eine
schlanke geschmeidige Nymphe ist, als die Gerechtigkeit, eben so gut
ihre Fälle für einen guten Freund hat. Ich könnte meine Ansprüche
aufgeben, wenn ich wollte? --Wenn die Ehre will! --Das ist die Feder in
meiner Maschine--du kannst nichts tun, ohne die Liebe zu fragen, ich
nichts, ohne die Ehre:--wir beide können also für uns selbst nichts,
das, denk’ ich, ist doch wohl ein Fall.
JULIUS. Hat man je etwas so Unbilliges gehört, die erste Triebfeder der
menschlichen Natur mit der Grille einiger Toren zu vergleichen?
GUIDO. Einiger Toren! --Du rasest! --Ich verachte dich, wie tief stehst
du unter mir! Ich halte meine Rührung durch Tränen für
Schwachheit,--aber zu diesem Grade meiner Schwachheit ist deine Tugend
noch nicht einmal gestiegen.
JULIUS. Es ist immer dein Fehler gewesen, über Empfindungen zu urteilen,
die du nicht kennst.
GUIDO. Und dabei immer ums dritte Wort von Tugend zu schwatzen! --Ich
glaube, wenn du nun am Ziel deiner Wünsche bist und deinen Vater auf der
Bahre siehst, so wirst du anstatt nach getaner Arbeit zu rasten, noch
die Leichenträger unterrichten, was Tugend sei, oder was sie nicht sei!
JULIUS. Wie hab’ ich mich geirrt! Bist du nicht schon wieder in deinem
gewöhnlichen Tone?
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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