Ha sieh! Ha sieh! im Augenblick
Huhu! ein grässlich Wunder!
Des Reiters Koller, Stück für Stück, 235
Fiel ab wie mürber Zunder.
Zum Schädel, ohne Schöpf und Zopf,
Zum nackten Schädel ward sein Kopf;
Sein Körper zum Gerippe,
Mit Stundenglas und Hippe. 240
Hoch bäumte sich, wild schnob der Rapp’,
Und sprühte Feuerfunken;
Und hui! war ’s unter ihr hinab
Verschwunden und versunken.
Geheul! Geheul aus hoher Luft, 245
Gewinsel kam aus tiefer Gruft.
Lenorens Herz, mit Beben,
Rang zwischen Tod und Leben.
Nun tanzten wohl bei Mondenglanz,
Rund um herum im Kreise, 250
Die Geister einen Kettentanz,
Und heulten diese Weise:
“Geduld! Geduld! Wenn’s Herz auch bricht!
Mit Gott im Himmel hadre nicht!
Des Leibes bist du ledig; 255
Gott sei der Seele gnädig!”
+LXXVIII. FRIEDRICH SCHILLER+
1759-1805. The more important work of Schiller falls without the limit
set for this book. His contribution to the literature of revolution
begins with the _Robbers_ (1781), a fierce castigation of the social
order, and ends with _Cabal and Love_ (1784), which is the only family
tragedy of that time that has survived on the stage. The dramatic genius
which was to give Schiller the supreme place in the history of the
German theater appears full-fledged in his early plays, not, however,
his self-control, his wisdom, or his knowledge of human nature.
+1+
+Lied Amaliens.+
Schön wie Engel, voll Walhallas Wonne,
Schön vor allen Jünglingen war er,
Himmlisch mild sein Blick, wie Maiensonne
Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.
Seine Küsse--paradiesisch Fühlen!
Wie zwo Flammen sich ergreifen, wie
Harfentöne in einander spielen
Zu der himmelvollen Harmonie,--
Stürzten, flogen, schmolzen Geist und Geist zusammen,
Lippen, Wangen brannten, zitterten,--
Seele rann in Seele--Erd’ und Himmel schwammen
Wie zerronnen um die Liebenden!
Er ist hin--vergebens, ach, vergebens
Stöhnet ihm der bange Seufzer nach!
Er ist hin, und alle Lust des Lebens
Wimmert hin in ein verlorenes Ach!
+2+
+Die Entzückung an Laura.+
Laura, über diese Welt zu flüchten
Wähn’ ich--mich in Himmelmaienglanz zu lichten,
Wenn dein Blick in meine Blicke flimmt;
Ätherlüfte träum’ ich einzusaugen,
Wenn mein Bild in deiner sanften Augen 5
Himmelblauem Spiegel schwimmt.
Leierklang aus Paradieses Fernen,
Harfenschwung aus angenehmern Sternen,
Ras’ ich in mein trunknes Ohr zu ziehn;
Meine Muse fühlt die Schäferstunde, 10
Wenn von deinem wollustheissen Munde
Silbertöne ungern fliehn.
Amoretten seh’ ich Flügel schwingen,
Hinter dir die trunknen Fichten springen,
Wie von Orpheus’ Saitenruf belebt; 15
Rascher rollen um mich her die Pole,
Wenn im Wirbeltanze deine Sohle
Flüchtig, wie die Welle, schwebt.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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