Deine Blicke, wenn sie Liebe lächeln,
Könnten Leben durch den Marmor fächeln, 20
Felsenadern Pulse leihn;
Träume werden um mich her zu Wesen,
Kann ich nur in deinen Augen lesen:
Laura, Laura mein!
3
_From the ‘Robbers,’ Act 3, Scene 2._
Gegend an der Donau.
DIE RÄUBER,[1] gelagert auf einer Anhöhe unter Bäumen, die Pferde weiden
am Hügel hinunter.
MOOR. Hier muss ich liegen bleiben (_wirft sich auf die Erde_). Meine
Glieder wie abgeschlagen. Meine Zunge trocken, wie eine Scherbe.
(_Schweizer verliert sich unbemerkt._) Ich wollt’ euch bitten, mir eine
Handvoll Wrassers aus diesem Strome zu holen; aber ihr seid alle matt
bis in den Tod.
SCHWARZ. Auch ist der Wein all in unsern Schläuchen.
MOOR. Seht doch, wie schön das Getreide steht! --Die Bäume brechen fast
unter ihrem Segen--der Weinstock voll Hoffnung.
GRIMM. Es gibt ein fruchtbares Jahr.
MOOR. Meinst du? --Und so würde doch Ein Schweiss in der Welt bezahlt.
Einer? --Aber es kann ja über Nacht ein Hagel fallen und alles zu Grund
schlagen.
SCHWARZ. Das ist leicht möglich. Es kann alles zu Grund gehen, wenig
Stunden vorm Schneiden.
MOOR. Das sag’ ich ja. Es wird alles zu Grund gehen. Warum soll dem
Menschen das gelingen, was er von der Ameise hat, wenn ihm das
fehlschlägt, was ihn den Göttern gleich macht? --Oder ist hier die Mark
seiner Bestimmung?
SCHWARZ. Ich kenne sie nicht.
MOOR. Du hast gut gesagt und noch besser getan, wenn du sie nie zu
kennen verlangtest! --Bruder--ich habe die Menschen gesehen, ihre
Bienensorgen und ihre Riesenprojekte--ihre Götterpläne und ihre
Mäusegeschäfte, das wundersame Wettrennen nach Glückseligkeit;--dieser
dem Schwung seines Rosses anvertraut--ein anderer der Nase eines
Esels--ein dritter seinen eignen Beinen; dieses bunte Lotto des Lebens,
worein so mancher seine Unschuld und--seinen Himmel setzt, einen Treffer
zu haschen, und--Nullen sind der Auszug--am Ende war kein Treffer darin.
Es ist ein Schauspiel, Bruder, das Tränen in die Augen lockt, wenn es
dein Zwerchfell zu Gelächter kitzelt.
SCHWARZ. Wie herrlich die Sonne dort untergeht!
MOOR (_in den Blick verschwemmt_). So stirbt ein Held!
--Anbetungswürdig!
GRIMM. Du scheinst tief gerührt.
MOOR. Da ich noch ein Bube war--war’s mein Lieblingsgedanke, wie sie zu
leben, zu sterben wie sie-- (_Mit verbissenem Schmerz_) Es war ein
Bubengedanke!
GRIMM. Das will ich hoffen.
MOOR (_drückt den Hut übers Gesicht_). Es war eine Zeit--Lasst mich
allein, Kameraden!
SCHWARZ. Moor! Moor! Was zum Henker! Wie er seine Farbe verändert!
GRIMM. Alle Teufel! Was hat er? Wird ihm übel?
MOOR. Es war eine Zeit, wo ich nicht schlafen konnte, wenn ich mein
Nachtgebet vergessen hatte--
GRIMM. Bist du wahnsinnig? Willst du dich von deinen Bubenjahren
hofmeistern lassen?
MOOR (_legt sein Haupt auf Grimms Brust_.) Bruder! Bruder!
GRIMM. Wie? Sei doch kein Kind! Ich bitte dich--
MOOR. Wär’ ich’s,--wär’ ich’s wieder!
GRIMM. Pfui! Pfui!
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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