SCHWARZ. Heitre dich auf! Sieh diese malerische Landschaft--den
lieblichen Abend.
MOOR. Ja, Freunde, diese Welt ist so schön.
SCHWARZ. Nun, das war wohl gesprochen.
MOOR. Diese Erde so herrlich.
GRIMM. Recht--recht--so hör’ ich’s gerne.
MOOR (_zurückgesunken_). Und ich so hässlich auf dieser schönen
Welt--und ich ein Ungeheuer auf dieser herrlichen Erde.
GRIMM. O weh! o weh!
MOOR. Meine Unschuld! Meine Unschuld! --Seht, es ist alles
hinausgegangen, sich im friedlichen Strahl des Frühlings zu
sonnen--warum ich allein die Hölle saugen aus den Freuden des Himmels?
--Dass alles so glücklich ist, durch den Geist des Friedens alles so
verschwistert! --Die ganze Welt Eine Familie, und Ein Vater dort
oben--Mein Vater nicht--Ich allein der Verstossene, ich allein
ausgemustert aus den Reihen der Reinen--mir nicht der süsse Name
Kind--nimmer mir der Geliebten schmachtender Blick--nimmer, nimmer des
Busenfreunds Umarmung! (_Wild zurückfahrend_) Umlagert von Mördern--von
Nattern umzischt--angeschmiedet an das Laster mit eisernen
Banden--hinausschwindelnd ins Grab des Verderbens auf des Lasters
schwankendem Rohr--mitten in den Blumen der glücklichen Welt ein
heulender Abbadona!
SCHWARZ (_zu den übrigen_). Unbegreiflich! Ich habe ihn nie so gesehen.
GRIMM (_zu den andern_). Nur Geduld! Der Paroxysmus ist schon im Fallen.
MOOR. Es war eine Zeit, wo sie mir so gern flössen--o ihr Tage des
Friedens! Du Schloss meines Vaters--ihr grünen schwärmerischen Täler!
O all ihr Elysiumszenen meiner Kindheit! --Werdet ihr nimmer
zurückkehren--nimmer mit köstlichem Säuseln meinen brennenden Busen
kühlen? --Dahin! dahin! unwiederbringlich!
[Notes:
1: Count Karl Moor, having been cast off by his father, through
the machinations of his villainous younger brother Franz, has
declared war on society and become captain of a band of robbers.
But he is no selfish criminal, and his better nature often asserts
itself, as in this scene.]
4
_From ‘Cabal and Love,’ Act 1, Scene 4._
FERDINAND VON WALTER. LOUISE.[2]
(_Er fliegt auf sie zu--sie sinkt entfärbt und matt auf einen Sessel--er
bleibt vor ihr stehen--sie sehen sich eine Zeitlang stillschweigend an.
Pause._)
FERDINAND. Du bist blass, Louise?
LOUISE (_steht auf und fällt ihm um den Hals_). Es ist nichts! nichts!
Du bist ja da! Es ist vorüber!
FERDINAND (_ihre Hand nehmend und zum Munde führend_). Und liebt mich
meine Louise noch? Ich fliege nur her, will sehen, ob du heiter bist,
und gehn und es auch sein. --Du bist’s nicht.
LOUISE. Doch, doch, mein Geliebter.
FERDINAND. Rede mir Wahrheit! Du bist’s nicht. Ich schaue durch deine
Seele wie durch das klare Wasser dieses Brillanten. (_Er zeigt auf
seinen Ring._) Hier wirft sich kein Bläschen auf, das ich nicht
merkte--kein Gedanke tritt in dies Angesicht, der mir entwischte. Was
hast du? Geschwind! Weiss ich nur diesen Spiegel helle, so läuft keine
Wolke über die Welt. Was bekümmert dich?
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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