Sie waren züchtig heiter
Und lachten und waren froh
Und sangen auf solche Weise,
Dass niemand früher oder später 5285
Eine so süsse Stimme vernahm.
Wollt ihr es glauben,
So mussten diese Frauen
Immer im Schatten sein,
Sonst könnten sie nicht gedeihn; 5290
Welche die Sonne beschien,
Blieb nicht mehr am Leben.
Das Wunder war mannigfach:
Als der Wald tönend wurde,
Von den süssen Stimmen, 5295
Die darinne sangen,
Die Vögel und die Mägdelein,
Wie konnt’ es wonniglicher sein,
Früh oder spät?
All ihre Leibeskleidung 5300
War fest angewachsen
An der Haut und am Körper.
Ihre Farbe war dieselbe,
Die die Blumen hatte,
Rot und auch weiss wie Schnee. 5305
Als wir sie zu uns kommen sahen,
Zog uns der Leib zu ihnen.
Solch begehrenswerte Weiber
Sind der Welt unbekannt.
Nach meinem Heere schickte ich sofort. 5310
Als sie zu mir kamen
Und auch vernahmen
Die herrlichen Stimmen,
Da gingen sie verständnisvoll
Und schlugen ihre Zelte 5315
Im Walde, nicht auf dem Felde.
Da lagen wir nun im Schalle
Und freuten uns alle
Der seltsamen Bräute.
Ich und meine Leute, 5320
Wir wollten da bleiben.
Wir nahmen sie zu Frauen
Und hatten mehr Wonne
Als wir je gewonnen
Seit unserer Geburt. 5325
Weh, dass wir sobald verloren
Das grosse Vergnügen!
Dies Wunder sah ich alles
Selbst mit meinen Augen;
Das möget ihr glauben. 5330
Dies währte, wie ich euch sage,
Drei Monate und zwölf Tage,
Dass ich und meine Helden kühn
In dem grünen Walde waren
Und auf den schönen Auen 5335
Bei den lieben Frauen
Und Wonne mit ihnen hatten
Und mit Freude lebten.
Dann geschah uns grosses Leid,
Das ich nicht genug beklagen kann. 5340
Als die Zeit zu Ende ging,
Da war unsere Freude vorüber,
Die Blumen verwelkten
Und die schönen Frauen starben;
Die Bäume verloren ihr Laub, 5345
Die Brunnen flossen nicht mehr,
Die Vögel hörten auf zu singen.
Dann begann Unfreude
Mein Herz zu bedrücken
Mit mannigfachem Schmerze. 5350
Furchtbar war das Ungemach,
Das ich alle Tage sah
An den schönen Frauen.
O weh, wie bereute ich sie,
Als ich sie sterben sah 5355
Und die Blumen verblühen!
Da schied ich traurig von dannen
Mit allen meinen Mannen.
+XV. KONRAD’S LAY OF ROLAND+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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