Als sie genommen hatten Schätze und Gewand,
Führte man Frau Hilde hinaus an ihrer Hand. 30
Gern hätte auf die Zinnen man roten Brand gesetzt;
Dass einst die Rache folgte, wer dachte daran jetzt?
Hartmut befahl, es bleibe die Feste unversehrt.
Schnell das Land zu räumen hat der Fürst begehrt,
Eh’ man die üble Kunde hätt’ Hetel überbracht, 35
Der noch in Waleis kämpfte mit stolzer Heeresmacht.
“Auch sollt ihr Raub nicht nehmen,” sprach der Held Hartmut,
“Sind wir daheim, so zahl’ ich mit meines Vaters Gut.
Auch fahren wir um so leichter über die weite See.”
Ludwigs grimmes Wüten tat Kudruns Herzen weh. 40
Die Burg, die war gebrochen; die Stadt, die war verbrannt.
Da hatte man gefangen die besten, die man fand;
Zweiundzwanzig Frauen, minnigliche Maide,
Führten sie von dannen zu Hildes Herzeleide.
Wie traurig stand im Saale die edle Königin! 45
Sie schritt betrübten Herzens zu einem Fenster hin,
Zu grüssen die Gefangenen mit einem letzten Blick;
Es blieb manch edle Fraue klagend bei ihr zurück.
_From Adventure 17: The battle on the Wülpensand._
Es war ein breiter Werder, der Wülpensand genannt,
Da hatten Ludwigs Recken aus Normannenland
Für sich und ihre Rosse geschafft willkommne Rast.
Wie bald bedrängt’ die Frohen der grimmen Sorge Last!
Man führte aus den Schiffen auf den öden Strand 5
Die minniglichen Mädchen aus Hegelingenland.
Wie sie das Herz es lehrte, so klagten da die Frauen
Und liessen ihre Tränen die Feinde reichlich schauen.
Da sah der Schiffer einer auf den Wogen nahn
Ein Schiff mit vollen Segeln; dem König sagt’ er’s an. 10
Und als sie es erblickten, rief Hartmut und die Seinen:
“Pilger sind es. Sehet das Kreuz im Segel scheinen!”
Bald erschaute jeder drei Kiele fest und gut,
Dabei neun volle Kocken; die führten durch die Flut
Manchen, der noch nimmer zu Gottes Ruhm und Ehr’ 15
Ein Kreuz getragen hatte![1] Der Normann griff zur Wehr.
Bald waren sie so nahe, dass man die Helme sah
Auf dem Verdecke glänzen. Viel Not erhob sich da
Und mancher arge Schaden für Ludwig und sein Heer.
“Auf!” rief Hartmut, “uns suchen die Feinde über Meer.” 20
Nicht träge waren die Fremden, nah kamen sie dem Land,
Dass man schon knarren hörte die Ruder an dem Strand.
Dort standen zum Empfange in hellem Waffenkleid
Die Alten und die Jungen am Ufer schon bereit.
Laut rief der König Ludwig, den Seinen zugewandt: 25
“Ein Kinderspiel nur war es, was je im Kampf ich fand!
Heut gilt’s zum ersten Male mit guten Helden Streit.
Wer meiner Fahne folget, dem lohn’ ich’s alle Zeit.”
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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