Es ging der Degen Hartmut, wo er die Seinen fand, 5
Er befahl in ihre Obhut die Leute und das Land,
Dann zog er in die Ferne. Er dacht’ in Sorgen schwer:
“Mich drängen viele Feinde; drum setz’ ich mich zur Wehr.”
Da sprach mit Wolfessinne die böse Frau Gerlind:
“Nun will ich, dass mir diene der stolzen Hilde Kind. 10
Weil sie in ihrer Bosheit sich dünkt so gut und treu,
Soll sie als Magd mir dienen; leicht wär’ vom Schmach sie frei.”
Darauf die edle Jungfrau: “Was ich leisten kann,
Das sei mit diesen Händen früh und spät getan;
Mit Fleiss und gutem Willen tu’ ich es immerdar, 15
Da mich mein herbes Schicksal schuf aller Freude bar.”
Da sprach die böse Gerlind: “Du sollst mein Gewand
Jeden Morgen tragen nieder an den Strand;
Du sollst die Kleider waschen mir und dem Ingesinde.
Und hüte dich, du Stolze, dass man dich müssig finde.” 20
Darauf die edle Jungfrau: “Fraue, hört mich an!
Nun lasst mich unterweisen, dass ich lernen kann,
Wie ich die Kleider wasche unten an dem Meer.
Ich mag nicht Freude haben, ja, quält mich nur noch mehr!”
Da hiess sie eine Wäscherin nieder an den Strand, 25
Dass sie es Kudrun lehrte, tragen das Gewand.
Die Fürstentochter diente in harter Pein und Not;
Niemand konnt’ es wehren; es war Gerlinds Gebot.
_From Adventure 28: The Hegelings take revenge; King Ludwig’s end._
Laut rief der edle Herwig: “Wer ist der Alte da?
Von seinen starken Händen schon vieles Leid geschah.
Er schlägt so tiefe Wunden mit seiner grossen Kraft,
Dass er daheim den Frauen viel Not und Wehe schafft.”
Das hörte König Ludwig, der Held von Normandie. 5
“Wer ist’s, der im Getümmel dort so gewaltig schrie?
Ich heisse König Ludwig und Normandie mein Reich.
Wer mich zum Kampfe fordert, dem achte ich mich gleich.”
Er sprach: “Ich heisse Herwig, und du stahlst mir mein Weib.
Das sollst du wieder geben, oder tot liegt hier ein Leib-- 10
Der meine oder deine-- und dazu mancher Held.”
Herr Ludwig drauf: “Mit Drohen hast du dich mir gestellt.
Doch sprachst du deine Beichte wahrhaftig ohne Not.
Ich schlug schon manchem andern die Anverwandten tot
Und nahm ihm seine Habe. Du, prahle nicht so sehr; 15
Die Gattin, die du forderst, küssest du nimmermehr.”
Kaum war das Wort gesprochen, da sprengten sie heran,
Beide aneinander. Mancher kühne Mann
Sprang an des Herren Seite aus des Getümmels Drang;
Es musste heiss sich mühen, wer da den Sieg errang. 20
Wohl war Herr Herwig wacker und seiner Stärke froh,
Doch schlug Herrn Hartmuts Vater den jungen König so,
Dass er begann zu sinken vor Ludwigs rauher Hand;
Gern hätt’ er ihn auf ewig getrennt vom Vaterland.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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