Wäre nicht so nah gewesen Herrn Herwigs gutes Heer, 25
Das vor dem Feind ihn schützte, er wäre nimmermehr
Von Ludwig geschieden anders als im Tod;
Den jungen Herren brachte der Held in grosse Not.
Sie halfen, dass das Fechten kein böses Ende nahm.
Als er von seinem Falle nun wieder zu sich kam, 30
Da hat nach einer Zinne[2] er schnell emporgeschaut,
Ob er darin erblickte wohl seines Herzens Traut.
Er dacht’ in seinem Herzen: “Ach, wie ist mir geschehn!
Wenn meine Herrin Kudrun hat meinen Fall gesehn,
Und wenn ich einst zum Weibe die Königin gewinne, 35
So wird sie mich drum schelten und weigern mir die Minne.
Dass mich der greise Recke hier hat zu Fall gebracht,
Muss billig mich beschämen.” Da hiess zu neuer Schlacht
Er seine Zeichen tragen dahin, wo Ludwig stand;
Nach drängten seine Helden mit Speer und Schildesrand. 40
In Ludwigs Rücken tobte der Hegelinge Heer;
Er kehrte sich zum Feinde und setzte sich zur Wehr.
Da rasselten die Hiebe, da krachte mancher Schaft;
Die in der Nähe standen, erprobten Ludwigs Kraft.
Es traf Kudruns Geliebter unterm Helm und überm Rand 45
Den alten König Ludwig mit heldenstarker Hand.
Er schlug ihm eine Wunde, dass man nicht länger stritt;
Da war’s, wo König Ludwig den grimmen Tod erlitt.
[Notes:
2: The fight takes place before the Norman castle.]
_From Adventure 29: The fate of Queen Gerlinde._
Da trat dahin auch eilend die böse Frau Gerlind;
Demütig fiel zu Füssen sie Hildes schönem Kind.
“Nun schütze uns, o Herrin, vor Wate,” war ihr Flehn;
“Denn du nur kannst es wenden, sonst ist’s um uns geschehn.”
“Dass Ihr um Gnade bittet, erhabene Königin, 5
Das höre ich nicht ungern; doch steht nicht so mein Sinn.
Wann durfte ich Euch bitten? Wann winktet Ihr Gewähr?
Ihr waret mir nie gnädig. Drum trifft mein Zorn Euch schwer.”
Als nun der alte Wate Herrn Ludwigs Königin sah,
Wie knirscht’ er mit den Zähnen! Näher trat er da, 10
Ihm funkelten die Augen, sein Bart war ellenbreit,
Vor dem von Stürmen bebte im Saale Mann und Maid.
Er fasste ihre Hände und zog zur Tür sie hin,
Da hub sie an zu jammern, die arge Königin.
Er sprach in blindem Zorne: “Fürstin stolz und hehr! 15
Für Euch wäscht meine Herrin die Kleider nimmermehr.”
Als er hinaus die Fürstin zog aus dem Gemach,
Da schaute manches Auge ihm voller Neugier nach.
Er fasste ihre Haare, wer hatt’ ihm das erlaubt?
Sein Zürnen war gewaltig, er schlug ihr ab das Haupt. 20
+XX. THE EARLIER MINNESINGERS+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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