Es will mein Herze und mein Leib sich scheiden;
So lange waren innig sie gesellt!
Mein Leib will einzig kämpfen mit den Heiden,
Doch hat mein Herz ein andres sich erwählt
Vor aller Welt. Wie quält es mich so sehr,
Dass Herz und Leib sich nicht mehr folgen beide!
Viel taten meine Augen mir zu Leide.
Entscheiden kann den Streit allein der Herr.
Von solchen Nöten glaubt’ ich mich errettet,
Da ich das Kreuz annahm zur Ehr’ des Herrn,
Mein Herze enger nur mit mir verkettet;
Doch bleibt beständig es in weiter Fern.
Welch reiches Leben sollte mir erstehn,
Liess fahren nur mein Herz sein töricht Streben.
Doch fragt es, merk’ ich, nichts nach meinem Leben,
Und wie es mir am Ende soll ergehn.
Doch, da ich, Herz, es nimmermehr kann wenden,
Dass du mich traurig lässt und einsam hier,
So bitt’ ich Gott, dass er dich wolle senden,
Dahin, wo man sich freundlich neiget dir.
O weh! Wie wird sich enden doch dein Wahn!
Wie durftest du entfliehen meinen Händen?
Wer soll dir deinen Kummer helfen enden
So treulich, wie ich sonst es hab’ getan?
+13+
+Spervogel: Weibes Tugend.+
Ob auch ein reines Weib nicht reiche Kleidung trägt,
Doch kleidet ihre Tugend sie, wer’s recht erwägt,
Dass sie so schön geblümet geht,
So wie die lichte Sonne steht
An einem Tag mit vollem Glanz,
Erstrahlend hell und reine.--
So viel die Falsche sich mit Kleidern schmückt,
Ihre Ehre bleibt doch kleine.
+14+
+Spervogel: Priamel.+[1]
Wer einen Freund will suchen,
Wo er niemand traut,
Und spürt des Wildes Fährte,
Wenn der Schnee schon taut,
Kauft ungesehn der Ware viel,
Und hält noch aufgegebenes Spiel,
Und dient nur bei geringem Mann,
Wo ohne Lohn er bleibet:
Den wird es einmal noch gereun,
Wenn er’s zu lange treibet. 10
[Notes:
1: From Latin _praeambulum_; a gleeman’s ‘prelude.’]
+XXI. WALTER VON DER VOGELWEIDE+
The greatest of medieval lyrists. He was an Austrian, of knightly rank
but poor, and was born about 1170. He led a wandering life, visiting
many courts, taking a deep interest in public affairs and distinguishing
himself by his matchless songs and _Sprüche_. In 1215 Emperor Friedrich
II gave him a small estate near Würzburg. He died about 1230.
There are many translations of Walter, the best being by Simrock (1832),
Panier (1878), Kleber (1894), and Eigenbrodt (1898). The translations
below are from the sumptuous work of J. Nickol, Düsseldorf, 1904, which
is itself eclectic and aims to give, for each poem, the best translation
that could be found. No. 1 is by Pfaff, No. 2 by Simrock, 3 by
Eigenbrodt, 4, 5, 6, 10 by Nickol, 7, 9, 11 by Panier, 8, 12 by Kleber.
+1+
+Maienlust.+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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