Ich sass auf einem Steine
Und deckte Bein mit Beine.
Darauf setzt’ ich den Ellenbogen;
Ich hatt’ in meine Hand gezogen
Das Kinn und eine Wange. 5
Da dachte ich gar bange,
Wie man auf Erden sollte leben;
Doch keinen Rat konnt’ ich mir geben,
Wie man drei Ding’ erwürbe,
Dass keins davon verdürbe. 10
Die zwei sind Ehr’ und fahrend Gut,
Das oft einander Schaden tut;
Das dritt’ ist Gottes Segen,
Daran ist mehr gelegen.
Die wünscht’ ich gern in einen Schrein. 15
Ja, leider mag das nimmer sein,
Dass Gut und weltlich’ Ehre
Und Gottes Huld, die hehre,
Je wieder in Ein Herze kommen.
Ihnen ist Weg und Steg benommen: 20
Untreue liegt im Hinterhalt,
Und auf der Strasse fährt Gewalt;
Friede und Recht sind beide wund,
Die dreie finden kein Geleit,
die zwei denn werden erst gesund.
+11+
+Abschied von der Welt.+
Frau Welt, Ihr sollt dem Wirte sagen,
Dass ich ihn ganz bezahlet habe;
All meine Schuld sei abgetragen,
Dass er mich aus dem Schuldbrief schabe.
Wer ihm was soll, der mag wohl sorgen;
Eh’ ich ihm lange schuldig blieb,
eh’r wollt’ ich bei den Juden borgen.
Er schweiget bis auf einen Tag,
Dann aber nimmt er sich ein Pfand,
wenn jener nicht bezahlen mag.
+12+
+Elegie.+
O weh, wohin entschwunden sind alle meine Jahr!
Ist mir mein Leben geträumet, oder ist es wahr?
Was ich je wirklich wähnte, war’s nur ein Traumgesicht?
So hab’ ich denn geschlafen, und ich weiss es nicht!
Jetzt bin ich erwacht, und ist mir unbekannt, 5
Was mir vordem war kundig, wie meine rechte Hand.
Leut’ und Land, da ich von Kindheit an erzogen,
Die sind mir fremd geworden, als ob es sei erlogen;
Die mir Gespielen waren, die sind träg’ und alt,
Geackert ist das Feld, gehauen ist der Wald. 10
Wenn nicht das Wasser flösse, wie es weiland floss,
Fürwahr, ich wähnte, mein Unglück es wär’ gross.
So kalt grüsst jetzt mich mancher,
der einst mich wohl gekannt;
Voll Not und Trübsal ist die Welt in Stadt und Land.
So ich gedenk’ an manchen wonniglichen Tag, 15
Die sind mir entfallen, recht wie ins Meer ein Schlag.
Immermehr o weh!
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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