O weh, wie jämmerlich doch junges Volk jetzt tut,
Dem ehmals nie verzagte in der Brust der Mut!
Die tragen sich mit Sorgen, weh, was tun sie so! 20
Wohin ich immer blicke, keinen seh’ ich froh.
Tanzen, Lachen, Singen, vergeht vor Sorgen gar;
Nie sah man unter Christen so jämmerliche Schar.
Seht nur der Frauen Schmuck, der einst so zierlich stand;
Die stolzen Ritter tragen bäurisches Gewand. 25
Uns sind ungnädige Briefe[2] her von Rom gekommen;
Uns ist erlaubt zu trauern, und Freude gar benommen.
Das schmerzt mich tief im Herzen--wir lebten einst so wohl--
Dass ich nun für mein Lachen Weinen tauschen soll.
Die Vöglein in dem Walde betrübet unsre Klage, 30
Was Wunder, wenn auch ich darüber schier verzage?
Doch, ach, was sprech’ ich Tor in meinem sündigen Zorn?
Wer dieser Wonne folget, der hat jene dort verlorn.
Immermehr o weh!
O weh, wie ward uns Gift mit Süssigkeit gegeben! 35
Die Galle seh’ ich mitten in dem Honig schweben.
Die Welt ist aussen lieblich, weiss und grün und rot,
Doch innen schwarzer Farbe, finster wie der Tod.
Wen sie verleitet habe, der suche Trost bei Zeit;
Er wird mit leichter Busse von schwerer Schuld befreit. 40
Daran gedenket, Ritter, es ist euer Ding!
Ihr tragt die lichten Helme und manchen harten Ring,
Dazu die festen Schilde und das geweihte Schwert;
Wollte Gott, ich wäre für ihn zu streiten wert!
So wollt’ ich armer Mann verdienen reichen Sold; 45
Nicht mein’ ich Hufen Landes, noch der Herren Gold.
Ich möchte jene ewigliche Krone tragen,
Ein Söldner könnte sie wohl mit seinem Speer erjagen.
Könnt’ ich die teure Reise fahren über See,
So wollt’ ich wieder singen “wohl” und nimmermehr “o weh,” 50
Nimmermehr o weh!
[Notes:
2: The pope’s excommunication of Emperor Friedrich II, in
September, 1228.]
+XXII. HEINRICH VON VELDEKE’S ENEID+
A Low German poem of 13,528 verses, completed between 1184 and 1190. Its
author was a Netherlander of knightly rank who finished his poem in
Thuringia and was regarded by his successors as the father of the riming
love-romance. His chief source was an Old French _Roman d’Enéas_, but he
dealt very freely with his French text, omitting much, adding much and
making some use, possibly, of the Latin original.
_Lines 1450-1534: The love-smitten Dido confides in her sister Anna._
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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