“Geheimnisreich ist Gottes Tat,”
Sprach er,[5] “wer sass in seinem Rat?
Wer kennt die Grenzen seiner Macht?
Kein Engel hat sie ausgedacht, 335
Ja, Gott ist Mensch,” so fuhr er fort,
“Ist seines Vaters ew’ges Wort,
Ist Vater und ist Sohn zugleich,
Sein Geist an Hilfe gross und reich.
Ein Wunder seltsam rätselvoll 340
Ist hier geschehn; durch Euren Groll
Rangt Ihr ab dem höchsten Willen,
Eures Herzens Wunsch zu stillen.
Mir tat einst Eure Mühsal leid;
Denn unerhört zu aller Zeit 345
War’s, mit Gewalt der Waffen
Den Gral sich zu erraffen.
Ich hätt’ Euch gern den Wunsch benommen.
Doch anders ist’s mit Euch gekommen:
Euch ward der herrlichste Gewinn. 350
Nun kehrt an Demut Euren Sinn!”
Drauf Parzival: “Mein Weib ist nah.
Ich will sie sehn, die ich nicht sah
Nun seit fünf langen Jahren.
Da wir beisammen waren, 355
War sie mir lieb und ist es noch.
Drum lass mich ziehn! Dein Rat jedoch
Soll mir verbleiben bis zum Tod.
Du rietest mir in grosser Not.”
So schied er von dem heil’gen Mann, 360
Die Nacht durch ritt er fort im Tann;
Der Weg war seinen Degen kund.
Am Morgen fand er lieben Fund:
Manch Zelt geschlagen auf dem Plane,
Vom Lande Brobarz manche Fahne, 365
Der mancher Schild gefolgt von fern.
Da lagen seines Landes Herrn.
Er fragte nach der Fürstin Zelt;
Das stand für sich abseits im Feld,
Von kleinen Zelten rings umfangen. 370
Ihr Ohm, schon früh auf, kam gegangen;
Noch war der Blick des Tages grau.
Da sah er halten auf der Au
Ein Volk’ von Rittern und von Knappen,
Erkannte gleich des Grales Wappen 375
Und eilte Herrn und Degen
Mit Willkommsgruss entgegen,
Befahl auch, dass ein Jungherr lief
Und rasch der Herrin Marschall rief,
Die Gäste für den Morgen 380
Behaglich zu versorgen.
Den König führt’ er an der Hand
Hin, da die Kleiderkammer stand,
Ein klein Gezelt von Buckeram,
Wo man den Harnisch von ihm nahm. 385
Noch war der Herrin nichts bewusst.
Da fand er seiner Augen Lust:
Im weiten Zelte schlief die Schöne
Und bei ihr seine kleinen Söhne,
Loherangrin und Kardeis, 390
Und hier und dort umher im Kreis
Lagen lichter Fraun genug.
Der Oheim auf die Decke schlug
Und rief: “Willst du erwachen,
So wirst du fröhlich lachen!” 395
Aufblickend sah sie ihren Mann.
Ihr Hemd nur hat die Herrin an,
Die nun die Decke um sich schwang,
Vom Bette auf den Teppich sprang,
Und Parzival, er drückte 400
Ans Herz die Holdbeglückte.
Man sagte mir, sie küssten sich.
Sie sprach: “So hat das Glück mir dich
Gesendet, Herzensfreude mein!
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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