Furchtsam, wie es um sie stand,
Dem Schreine und dem Eide.
Hand und Herz im Leide 15680
Befahl sie Gottes Segen
Zu hüten und zu pflegen.
Doch war auch mancher in der Schar,
Der hätte, alles Hochsinns bar,
Der Königin den Eidschwur gern 15685
Vorgesagt im Kreis der Herrn
Ihr zu Schaden und zu Falle.
Ihr alter Feind voll Gift und Galle,
Des Königs Truchsess Marjodo,
Versuchte es bald so, bald so, 15690
Und trug es ihr zum Schaden an.
Doch war auch wieder mancher Mann,
Der sich selbst an ihr ehrte
Und ihr’s zu Gute kehrte.
So stritten sie sich her und hin 15695
Um den Eid der Königin;
Der war ihr gut, der bös gesinnt,
Wie’s immer geht, wo Menschen sind.
“Herr König,” fiel die Herrin ein,
“Was sie auch reden insgemein, 15700
Der Eid muss doch vor allen
Euch und nur Euch gefallen;
Und darum seht nun selber zu,
Was ich hier spreche oder tu’.
Ob ich den Eid Euch sage, 15705
So dass er Euch behage.
Der wirre Hader schweige still;
Vernehmt, was ich Euch schwören will:
Dass ausser Euch kein andrer Mann
Kunde meines Leibs gewann, 15710
Und dass wahrhaftig, wenn nicht Ihr,
Kein Lebender auf Erden mir
Im Arm und an der Seite lag
Als der, den ich nicht leugnen mag--
Was würd’ es mir auch taugen, 15715
Da Ihr mit eignen Augen
Ihn saht in meinem Arme--
Der Pilgersmann, der arme:
So helfe mir denn, red’ ich wahr,
Mein Gott und aller Heiligen Schar, 15720
So dass ich ohne Wehe
Das Urteil hier bestehe.
Herr, wollt Ihr mehr, gebietet nur,
Und ich verbess’re Euch den Schwur
In jeder Weise, wie Ihr wollt.” 15725
“Nein,” sprach der König, “Frau Isold,
Soweit ich das erwägen kann,
Bedünkt es mich genug hieran.
Nun nehmt das Eisen auf die Hand,
Und wie die Wahrheit Ihr bekannt, 15730
So helf’ Euch Gott in dieser Not!”
“Amen,” sprach die Frau Isot.
Sie griff es an auf Gottes Gnaden--
Und trug das Eisen ohne Schaden.
Da wurde deutlich wohl und klar 15735
Vor aller Augen offenbar,
Dass unsern lieben Herrgott man
Wie einen Ärmel wenden kann:
Er schmiegt sich an und fügt sich glatt,
Wie man es nur im Sinne hat, 15740
So weich, so handsam und bequem,
Wie’s artig ist und angenehm,
Ist allen Herzen gleich bereit
Zum Trug wie zur Wahrhaftigkeit,
Zum Ernste wie zur Spielerei, 15745
Wie man’s begehrt, er ist dabei.
[Notes:
3: Having become justly suspicious of his wife’s fidelity, King
Marke requires her to prove her innocence by the ordeal of the hot
iron. She complies--in a way.]
+XXVI. KONRAD VON WÜRZBURG+
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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