The Epidemics of the Middle AgesHecker, J. F. C. (Justus Friedrich Carl)
History
The Epidemics of the Middle Ages
Hecker, J. F. C. (Justus Friedrich Carl)
Black Death; Epidemics -- History; Hysteria, Epidemic
Anno 1374 zu mitten im Sommer, da erhub sich ein wunderlich Ding auff
Erdreich, und sonderlich in Teutschen Landen, auff dem Rhein und auff
der Mosel, also dass Leute anhuben zu tantzen und zu rasen, und stunden
je zwey gegen ein, und tantzeten auff einer Stätte einen halben Tag,
und in dem Tantz da fielen sie etwan offt nieder, und liessen sich
mit Füssen tretten auff ihren Leib. Davon nahmen sie sich an, dass
sie genesen wären. Und lieffen von einer Stadt zu der andern, und
von einer Kirchen zu der andern, und huben Geld auff von den Leuten,
wo es ihnen mocht gewerden. Und wurd des Dings also viel, dass man
zu Cölln in der Stadt mehr dann fünff hundert Täntzer fand. Und fand
man, dass es eine Ketzerey war, und geschahe um Golds willen, das
ihr ein Theil Frau und Mann in Unkeuschheit mochten kommen, und die
vollbringen. Und fand man da zu Cölln mehr dann hundert Frauen und
Dienstmägde, die nicht eheliche Männer hatten. Die wurden alle in der
Täntzerey Kinder-tragend, und wann dass sie tantzeten, so bunden und
knebelten sie sich hart um den Leib, dass sie desto geringer wären.
Hierauff sprachen ein Theils Meister, sonderlich der guten Artzt,
das ein Theil wurden tantzend, die von heisser Natur wären, und von
andern gebrechlichen natürlichen Sachen. Dann deren war wenig, denen
das geschahe. Die Meister von der heiligen Schrift, die beschwohren der
Täntzer ein Theil, die meynten, dass sie besessen wären von dem bösen
Geist. Also nahm es ein betrogen End, und währete wohl sechszehn Wochen
in diesen Landen oder in der Mass. Auch nahmen die vorgenannten Täntzer
Mann und Frauen sich an, dass sie kein roth sehen möchten. Und war ein
eitel Teuscherey, und ist verbottschaft gewesen an Christum nach meinem
Bedünken.
IV.
Die Chronica van der hilliger Stat van Coellen. A. D.
MCCCLXXIV. fol. 277. Coellen, 1499. fol.
In dem seluen iair stonde eyn groisse kranckheit vp vnder den mynschen,
ind was doch niet vill me gesyen dese selue kranckheit vur off nae ind
quam van natuerlichen ursachen as die meyster schrijnen, ind noemen
Sij maniam, dat is raserie off unsynnicheit. Ind vill lude beyde man
ind frauwen junck ind alt hadden die kranckheit. Ind gyngen vyss huyss
ind hoff, dat deden ouch junge meyde, die verliessen yr alderen,
vrunde ind maege ind lantschaff. Disse vurss mynschen zo etzlichen
tzijden as Sij die kranckheit anstiesse, so hadden Sij eyn wonderlich
bewegung yrre lychamen. Sij gauen vyss kryschende vnd grusame stymme,
ind mit dem wurpen Sij sich haestlich up die erden, vnd gyngen liggen
up yren rugge, ind beyde man ind vrauwen moist men vmb yren buych ind
vmp lenden gurdelen vnd kneuelen mit twelen vnd mit starcken breyden
benden, asso stijff vnd harte als men mochte.
Item asso gegurt mit den twelen dantzten Sij in kyrchen ind in clusen
ind vp allen gewijeden steden. As Sij dantzten, so sprungen Sij allit
vp ind rieffen, _Here sent Johan, so so, vrisch ind vro here sent
Johan_.
Public-domain text, read in full here on John Shaqi.
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